Tipps zum Fotografieren von Reptilien und Amphibien

Winter und Frühling stehen hier oben im Norden noch in einem täglichen Schlagabtausch. Erste warme Tage wechseln sich mit plötzlichen Temperaturstürzen ab. Und dennoch erwacht die Natur langsam aber sicher wieder zum Leben. So machen sich allmählich Gras- und Moorfrösche sowie Erdkröten auf den Weg zu ihren Laichgewässern und auch die ersten Kreuzottern nutzen bereits die wenigen Sonnenstunden, um sich auf Temperatur zu bringen. Für den Naturfotografen beginnt die ideale Zeit, um mit der Kamera loszuziehen und Reptilien und Amphibien in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren. Im folgenden Artikel gebe ich einige wertvolle Tipps dazu.

Ohne geht´s nicht: Hintergrundwissen

Wer Reptilien und Amphibien (eigentlich Tiere im Allgemeinen) in ihrem natürlichen Lebensraum fotografieren möchte, benötigt vor allem eine gewisse Artenkenntnis. Was ist der bevorzugte Lebensraum? Wie ist der Aktivitätsrhythmus meiner Zielart? Ohne dieses Wissen ist jede Suche nach dem gewünschten Motiv eine reine Glückssache.

Glücklicherweise gibt es zu diesem Thema sehr gute Literatur! Wer einen ersten Überblick über heimische Reptilien- und Amphibienarten möchte, dem kann ich vorbehaltlos das Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas (ISBN 978-3-494-01470-8) von Dieter Glandt empfehlen. Erschienen ist das Buch im Quelle & Meyer Verlag und es liefert eine gute Übersicht über Verbreitung, Merkmale und Lebensweise der verschiedenen Arten. Darüber hinaus gibt der Autor nützliche Beobachtungstipps.

 

Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas.

Wer dann bei einzelnen Arten wirklich in die Tiefe gehen und sein Wissen zur Ökologie deutlich erweitern möchte, der sollte auf der Homepage des Fachverlages Laurenti vorbeischauen.

Weiterführende Literatur aus dem Laurenti Verlag.

Dieser hat seinen Themenschwerpunkt in der Ökologie und dem Schutz von heimischen Reptilien- und Amphibienarten. Neben dem Feldherpetologischen Magazin und der Zeitschrift für Feldherpetologie sind beim Laurenti Verlag unzählige Supplemente und Beihefte zu einzelnen Arten erhältlich – eine wahre Fundgrube an nützlichem Wissen zu diesen spannenden und schützenswerten Tiergruppen.

Die Tiere finden

Auch mit ausreichend Wissen zur gesuchten Zielart sind viele unserer heimischen Reptilien- und Amphibienarten schwer auszumachen. Vielerorts sind sie aus der Normallandschaft verschwunden. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Heutzutage sind es häufig Sonderstandorte wie Moore und Heiden, (ehemalige) Auskiesungen, Bahndämme und -brachen, die den Tieren einen Lebensraum bieten. Achtung: Diese Gebiete dürfen oft nicht betreten werden! Konkrete Fundorte werden meist aus gutem Grund nicht einfach weitergegeben. Ihr merkt schon, es ist kein leichtes Unterfangen. Auch ich werde hier keine genauen Fundstellen für Kreuzotter, Schlingnatter und Knoblauchkröte nennen – für mich gehört die persönliche Erarbeitung einer Zielart durch Recherche und Exkursionen einfach zur Fotografie dazu. Dennoch soll der Leser natürlich nicht gänzlich ohne Empfehlungen heim geschickt werden 😉

  • Meide die Mittagshitze: Auch die wärmeliebenden Reptilien verbringen die heißeste Zeit des Tages in ihrem Versteck. Für die Suche empfiehlt sich der Morgen und späte Nachmittag. Erfolgversprechend ist auch die Zeit nach einem heftigen Regenfall, wenn sich die Sonne wieder durch die Wolken kämpft oder aber bewölkte Tage mit Temperaturen um die 20°C. Viele Amphibienarten sind zudem am Abend und in der Nacht aktiv.
  • Grenzlinien: Übergänge zum Offenland wie z.B. strukturreiche Waldränder, besonnte Böschungen, Torfkanten, Gewässerränder – all dies sind Strukturen in der Landschaft, die Reptilien und Amphibien in vielerlei Hinsicht dienlich sind. So sind diese Bereiche in der Regel besonnt und bieten gleichzeitig Deckung. Sie erlauben den Tieren, sich bei Gefahr zurück zu ziehen und sind gleichzeitig Leitlinien bei Wanderungen. Hier sollte man die Augen offen halten!
  • Örtliche Naturschutzgruppen: Engagiert euch lokal und gebt der heimischen Natur etwas zurück. Es werden z.B. immer wieder Helfer beim Aufbau von Amphibienschutzzäunen gesucht. Ganz nebenbei ergeben sich so oft nette Kontakte, die euch dann vielleicht auch mit ein paar nützlichen Tipps zu guten Reptilien- und Amphibienspots weiterhelfen 😉
Südexponierter, strukturierter Waldrand – potentielles Habitat für Reptilien und Amphibien.

Wenn ihr dann fündig geworden seid, gebt eure Funde (Art, Anzahl, Koordinaten, Datum, Uhrzeit Wetter etc.) am besten noch an das zuständige Landesamt weiter. Diese Daten können durchaus wichtig für die Behörden sein, gerade wenn es sich um seltene oder schwer zu erfassende Arten handelt!

Respekt vor dem Tier (und Umwelt)

Leider keine Selbstverständlichkeit für viele Naturfotografen. Häufig steht nicht das Wohl des Tieres an oberster Stelle sondern das Foto. Regelmäßig werden die Tiere dann arrangiert, umgesetzt und in die Enge getrieben. Natürlich sieht die Kreuzotter auf dem Moospolster schön freigestellt vor dem Hintergrund ästhetisch aus – in 95% der Fälle wirst du sie aber so nicht vorfinden, sondern halb verborgen zwischen Sträuchern und Gräsern liegend. Und das sollten wir dann auch respektieren. Wenn man im Habitat der Tiere unterwegs ist, ist eine umsichtige und langsame Fortbewegung ratsam. So vermeiden wir eine zu starke negative Beeinflussung des Lebensraumes (unsere Anwesenheit hat natürlich immer Einfluss auf unsere Umwelt) und die Tiere fühlen sich durch unsere Präsenz weniger gestresst. Bedenkt bitte, dass in den meisten Naturschutzgebieten in Deutschland ein Wegegebot herrscht – das Gebiet darf also nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden.

„Leave nothing but footprints, take nothing but photos.“

Das richtige Equipment (Objektive und Brennweiten)

In den meisten Fällen haben wir es bei Reptilien und Amphibien mit scheuen Tieren zu tun, die die Flucht ergreifen oder sich verstecken, wenn sie unsere Anwesenheit bemerken. Allenfalls im Paarungsgeschehen oder wenn sie (als wechselwarme Tiere) noch nicht auf Betriebstemperatur sind, ist es möglich ihnen etwas näher zu kommen (Dennoch den vorherigen Absatz beachten 😉 ). Idealerweise arbeitet man mit längerbrennweitigen Makroobjektiven im Bereich 100mm – 200mm. Das hat diverse Vorteile:

  • Durch die längeren Brennweiten können wir mit einer größeren Aufnahmedistanz arbeiten.
  • Heimische Lurche und Reptilien sind meist eher kleiner – mit Makroobjektiv bekommen wir sie dennoch formatfüllend auf das Bild.
  • Makroobjektive sind in aller Regel relativ lichtstark (f2.8) und erlauben es uns mit offener Blende das Motiv besser freizustellen.
  • Makroobjektive bilden meist sehr scharf ab, so dass feine Details wie Beschuppung oder Zeichnungselemente besser erkennbar werden.
Fotografie Reptilien Amphibien
Makroobjektive im Brennweitenbereich von 100mm bis 200mm sind ideal für die Fotografie von Reptilien und Amphibien.

Gute Erfahrungen habe ich aber auch mit Telezoomobjektiven (konkret dem Tamron 70-300mm f4-5.6 VC USD*) gemacht, die eine geringe Naheinstellgrenze besitzen. Im genannten Fall können immerhin Abbildungsmaßstäbe von 1:4 erreicht werden.

Bildgestaltung

Die meisten ansprechenden Fotos von Reptilien und Amphibien haben eines gemeinsam – sie wurden auf Augenhöhe der Tiere aufgenommen. Das bedeutet bei den meist sehr kleinen heimischen Kriechtieren: Ihr müsst verdammt tief runter. Zieht euch für eine solche Fototour Klamotten an, die dreckig werden dürfen und im Idealfall auch Feuchtigkeit abweisen.

Kreuzkröte Sigma 105mm Makro
Auf Augenhöhe: Eine Kreuzkröte (Epidalea calamita).

Häufig werden die Tiere (gerade Reptilien) eher im Verborgenen zwischen Zweigen, Sträuchern oder Gräsern zu finden sein. Dies kann mitunter störend im Bildaufbau sein – oder aber bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt werden! Baut die umliegende Vegetation als sogenannten Störer oder natürliche Vignette in die Bildgestaltung ein, um das Auge des Betrachters zu lenken:

Kreuzotter
Kreuzotter verborgen im Gestrüpp.

Nicht immer sollte das Motiv mittig platziert werden. Es kann sinnvoll sein, in Blickrichtung Platz zu lassen:

Zauneidechse
Auf Augenhöhe: Männliche Zauneidechse.

Um zu hartem Licht entgegen zu wirken, kann ein Diffusor genutzt werden, mit dem das Motiv beschattet wird. Achtung: Die plötzliche Beschattung kann auch einen Fluchtreflex beim Tier auslösen. Geht daher langsam ohne abrupte Bewegungen vor. Generell ist es immer ratsam, dass Tier nach ein paar Aufnahmen wieder gänzlich in Ruhe zu lassen, um den Stress gering zu halten.

Erdkröte Fotografie Amphibien
Erdkröte in einer Pfütze. Um das harte Sonnenlicht abzumildern, wurde die Kröte vorsichtig mit einem Diffusor beschattet.

Fazit

Ich hoffe, dem einen oder anderen mit diesen Tipps und Anregungen etwas geholfen zu haben. Ganz unabhängig davon, ob am Ende des Tages ein tolles Foto auf den Sensor gebannt wurde, solltet ihr die Zeit in der Natur bei dieses faszinierenden Tiergruppen genießen. Bleibt geduldig, neugierig und gebt der Natur etwas zurück! Lasst mich in den Kommentaren wissen, wenn ihr Fragen oder Anregungen habt! Wer sich noch etwas mehr zu diesem Thema auf diesem Blog belesen möchte, dem lege ich meinen Artikel zu den Schlangenarten Schleswig-Holsteins nahe. Die Fotos meiner Tour zu den Erdkröten findet ihr hier.

 

*Amazon Affiliate Link – Beim Kauf über diesen Link erhalte ich eine kleine Provision. Für den Käufer entstehen keine Nachteile.

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22 Kommentare zu „Tipps zum Fotografieren von Reptilien und Amphibien

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