Das Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC Superweitwinkel Objektiv | Erfahrungsbericht

Bereits vor gut 2 Jahren habe ich einmal etwas länger über das Sigma 10-20mm Superweitwinkel Objektiv für APS-C Sensoren geschrieben, welches ich mir für Sonys A-Bajonett zugelegt habe. Der damalige Artikel war aber mehr ein erster Eindruck als ein wirklicher Erfahrungsbericht. Das möchte ich mit diesem Praxisbericht ändern!

Da dieses Objektiv mit einer Kleinbildäquivalenten Brennweite von 15-30mm eines meiner meist genutzten Linsen ist, war dieser Blogbeitrag eigentlich überfällig. Wie immer vorab: Meine Berichte geben nur meine sehr subjektiven Eindrücke wieder. Diese stammen ausschließlich aus der fotografischen Praxis. Wer abfotografierte Testcharts und Auflösungswerte sucht, der ist auf den einschlägigen Seiten (z.B. Photozone) besser bedient.

Verarbeitung und Haptik

Hier bekommt man Standardkost geliefert – das Sigma 10-20mm f4.o-5.6 Objektiv ist mit ca. 350€ deutlich günstiger als Objektive mit äquivalenten Brennweiten an Vollformat. Aufgrund des Preises darf man bei der Verarbeitung nicht zu viel erwarten. Das heißt nicht, dass die Linse „schrottig“ wirkt, aber wetterfest oder aber aus Metall gefertigt ist das Objektiv nicht! Hauptsächlich ist eben Kunststoff verbaut – was sich immerhin positiv auf das Gewicht (ca. 470g) auswirkt.
Klappern oder schleifen tut nichts. Der Fokus- als auch Zoomring laufen angenehm leichtgängig.
Dem Objektiv liegt standardmäßig eine Gegenlichtblende (ebenfalls aus Kunststoff) bei. Das Objektiv besitzt ein 77mm Filtergewinde, so dass die Verwendung von Filtern möglich ist!

Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC
Das Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC Superweitwinkel Objektiv.
Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC Superweitwinkel Objektiv 77mm Filtergewinde
Das Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC Superweitwinkel Objektiv besitzt ein 77mm Filtergewinde.

Autofokusperformance

In solch weitwinkligen Bereichen ist die Autofokusperformance für die meisten Fotografen vermutlich eher nebensächlich, da bei 10mm Brennweite die Schärfentiefe auch offenblendig bereits sehr groß ist – das Objektiv muss also nicht lange nach dem Fokus suchen. Ohnehin benutze ich das Sigma meist für die Landschaftsfotografie, bei der ich manuell fokussiere. Dennoch sei der Vollständigkeit wegen gesagt: Bei der Sony Variante des Objektivs gibt es keinen lautlosen und flotten Ultraschallmotor (HSM), um zu fokussieren. Der Fokusmotor ist daher deutlich hörbar und sicherlich etwas träger als sein HSM-Pendant. Nichtsdestotrotz saß der Fokus bei mir meist da, wo ich ihn haben wollte (wenn ich den AF genutzt habe). Inwiefern dies auch bei sehr schnell bewegten Motiven (z.B. in der Sportfotografie) gilt, vermag ich leider nicht zu sagen – Landschaften und Tiere sind meine Hauptmotive.

Bildqualität

Hier möchte ich insbesondere auf folgende, von mir als wichtig empfundene Punkte eingehen:

  • (Rand-)Schärfe
  • Performance bei Gegenlichtsituationen (Lensflares, Chromatische Abberationen)
Bildschärfe

Ich habe keine Labortests angewandt bzw. Testcharts fotografiert, um die Schärfe des Sigma 10-20mm f4.0-5.6 Objektives zu beurteilen. Meine Erfahrung aus der Praxis spiegelt sich aber wie folgt wieder:
Der Sweetspot in Sachen Detailschärfe liegt zwischen f8 und f13 – erwartungsgemäß lässt sie zu den Rändern nach (insbesondere bei Offenblende f4). Ich empfehle also, wenn möglich, etwas abzublenden. Erste Beugungsunschärfen werden bei f16 deutlicher, denen man aber mit der Nachschärfenfunktion in Lightroom noch gut entgegenwirken kann. Aber auch f22 habe ich bereits genutzt, ohne Bauchschmerzen zu bekommen. Im folgenden ein paar Beispielbilder, aufgenommen mit verschiedenen Brennweiten und Blendenwerten. Beigefügt habe ich auch immer Detailausschnitte, die eine bessere Beurteilung der Schärfe erlauben.

10mm | f13 | ISO100 | 1/100 Sek.
100% Ansicht Bildmitte | ungeschärft
100% Ansicht | Bildrand linksunten | ungeschärft
10mm | f13 | ISO100 | 1/8 Sek.
100% Ansicht | Bildmitte | ungeschärft
100% Ansicht | Bildrand linksoben | ungeschärft
13mm | f13 | ISO100 | 30 Sek.
100% Ansicht | Bildmitte | ungeschärft

 

100% Ansicht | linker Bildrand | ungeschärft

 

Wasserschloss Hamburg Blaue Stunde
20mm | ISO100 | f16 | 30 Sek.
100% Ansicht | Bildmitte | ungeschärft

 

100% Ansicht | Bildrand linksoben | ungeschärft

Was anhand der Beispielbilder deutlich wird ist, dass das Sigma am kurzen und am langen Ende der Brennweite sehr brauchbare Ergebnisse (auch in den Bildecken) liefert und auch feinere Details ordentlich abbildet (sofern man etwas abblendet). Generell ist ein gewisser Schärfeabfall zu den Bildecken bei Superweitwinkel Objektiven normal. Seltsam ist in meinen Augen jedoch der Leistungseinbruch an den Bildrändern im mittleren Brennweitenbereich um 13mm. Dort lässt die Schärfe plötzlich rapide und sehr deutlich nach. Ob ich hier ein Sonntagsmodell vom Sigma 10-20mm erwischt habe, kann ich leider nicht sagen. Da Sigma zumindest in früheren Tagen häufiger Probleme mit der Qualitätssicherung hatte, ist dies nicht gänzlich auszuschließen.

Performance bei Gegenlicht (Lensflares, Chromatische Abberationen)

Gegenlichtsituationen bewältigt  das Sigma 10-20mm leider nicht, ohne Schwächen zu zeigen. Je nach Position zur Sonne sind (in meinen Augen unschöne) Lensflares mehr oder weniger deutlich zu sehen. Diese sind in der Nachbearbeitung schwieriger zu entfernen als chromatische Abberationen. Werden dann zusätzlich noch Filter am Objektiv genutzt, besteht die Gefahr, die Lensflares (syn. „Blendenflecken“ oder „Linsenreflektion“) zu verstärken. Der eine oder andere mag Blendenflecken bewusst als Stilmittel einsetzen – ich persönlich mag sie nicht. Ich bin mir aber dessen bewusst, dass man spezielle Vergütungen des Glases zur Reduzierung von Streulichteffekten wohl erst im höherpreisigen Objektivsegment erwarten kann.

Sigma 10-20mm Lensflare
Lensflares sind sichtbar bei Gegenlichtsituationen (siehe rechts unten am Bildrand).
Lensflares Sigma 10-20mm
Die Verwendung von Filtern am Objektiv kann Lensflares noch verstärken.

Ebenfalls eine Frage des Geschmacks ist die Ästhetik der Blendensterne, die beim Abblenden entstehen. Auch hier möchte ich anbei einige Beispiele zeigen, so dass sich jeder selbst ein Urteil bilden kann:

Blendenstern bei f13
Blendensterne bei f16

Positiv angetan bin ich vom Verhalten des Sigma 10-20mm Objektives in Sachen chromatische Abberationen. Diese kann man bei kontrastreichen Bildstellen am ehesten in den extremen Bildrändern ausmachen, sind jedoch (vorausgesetzt, das Objektiv ist etwas abgeblendet) nur dezent ausgeprägt. Zudem lassen sie sich sehr gut in der Nachbearbeitung entfernen. In der Bildmitte waren chromatische Abberationen bis dato überhaupt kein Thema bei der Linse.

Leichte chromatische Abberationen zeigen sich (hier bei f11/extremer Crop/unkorrigiert) am ehesten in den Bildrändern – per Lightroom sind sie einfach zu entfernen.
Sonstiges

Im fotografischen Alltag kein Thema für mich waren  Verzeichnungen in den Fotos. Natürlich gibt es die bei kurzen Brennweiten typischen, perspektivischen Verzerrungen. Tasächliche Verzeichnungen, wie sie am ehesten entlang von von geraden Linien an den Bildrändern auftreten, spielten jedoch keine Rolle. In der Landschaftsfotografie, die ich am häufigsten mit dem Sigma praktiziere, fallen sie üblicherweise zumindest nicht ins Gewicht.
In Sachen Vignettierungen habe ich die Probe auf´s Exempel gemacht und einmal eine weiße Wand bei verschiedenen Brennweiten und Blenden fotografiert. Brennweitenüblich sind die Bildränder gerade bei Offenblende doch recht stark abgedunkelt. Abgeblendet sind Vignettierungen weniger ausgeprägt – in jedem Falle empfehle ich aber die Objektivkorrektur von Lightroom zu nutzen, sofern ihr in RAW fotografiert!

Weitere Einsatzbereiche des Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC

Neben der klassischen Landschafts- und Cityscapefotografie habe ich das Sigma auch für Weitwinkel-Wildlife- sowie Milchstraßenfotografie genutzt.

Die geringe Naheinstellgrenze (ca. 12cm bis zur Frontlinse) ermöglicht es, nah ans Motiv heranzugehen (nicht in jedem Falle empfehlenswert 😉 ) und interessante Perspektiven bspw. bei der Tierfotografie zu erzeugen, indem man das natürliche Habitat mit ins Foto einbezieht:

Kreuzotter im Weitwinkel. 12mm | f8 | ISO100 | 1/100 Sek. | Externer Blitz

Die relativ geringe Lichtstärke von f4.0 bei 10mm macht das Sigma nicht zum idealen Objektiv für die Milchstraßenfotografie. Möglich ist es trotzdem – im Zweifel muss die ISO etwas hochgeschraubt werden.

Milchstraße Ostsee
Milchstraße an der Ostseesteilküste. 10mm | f4 | ISO2000 | 30 Sek.

Fazit

Für etwa 350€ (neu) bekommt ihr mit dem Sigma 10-20mm f4.0-5.6 EX DC* ein sehr ordentliches Superweitwinkel Objektiv für APS-C Kameras.
Die Bildschärfe ist auch in den Bildrändern gut (solange ihr kein Montagsmodell erwischt habt) und Bildfehler wie chromatische Abberationen halten sich in Grenzen.

Anlass zur Kritik geben der Leistungsabfall in Sachen Randschärfe in den mittleren Brennweiten (zumindest bei meinem Modell) sowie die relativ ausgeprägte Vignettierung bei Offenblende.

Eher Geschmackssache ist die Ästhetik der Lensflares bzw. der Blendensterne. Auch die vergleichsweise geringe Lichtstärke mag den einen oder anderen vom Kauf abhalten. Hier wäre die lichtstärkere Variante, das Sigma 10-20mm f3.5 EX DC* eine Option – diese ist allerdings teurer. Auch das Tokina 11-16mm f2.8* wäre einen Blick wert.

Abschließend noch einmal die Pros und Contras zum Objektiv:

Pro

  • ordentliche Bildschärfe auch zu den Bildrändern
  • geringe chromatische Abberationen
  • kaum sichtbare Verzeichnung
  • preisgünstig

Neutral

  • Ästhetik der Lensflares und Blendensterne
  • durchschnittliche Verarbeitung

Contra

  • relativ lauter Fokusmotor (bei der Sony Variante)
  • Leistungsabfall bei der Schärfe (zum Bildrand) im mittleren Brennweitenbereich
  • relativ geringe Lichtstärke
  • Vignettierung bei Offenblende

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