Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro – Mein Erfahrungsbericht

Intensive Recherche, Preisvergleiche und das Lesen von Tests gingen meinem Kauf des Sigma 105mm f2.8 EX DG Makroobjektives voraus. Der Markt bietet durchaus eine Vielzahl an interessanten Alternativen – warum meine Wahl letzten Endes auf das Sigma fiel und wie es sich im fotografischen Alltag schlägt, lest ihr in diesem Praxisbericht.

Ein gescheites Makroobjektiv stand seit längerem auf meiner Einkaufsliste. Für meine heißgeliebte Fotografie von Reptilien und Amphibien sollte es im Brennweitenbereich um 100mm liegen. Mehr Brennweite wäre auch in Ordnung gewesen – weniger allerdings nicht, da ich sonst bei meinen eher scheuen Motiven für größere Abbildungsmaßstäbe zu nah ran müsste.

Limitierender Faktor bei meiner Entscheidung war das Budget – 400€ waren meine Schmerzgrenze.

Folgende Vertreter der genannten Brennweitenklasse unter den Makroobjektiven (in meinem Fall für das Sony A-Bajonett) schaute ich mir genauer an:

  • Tamron f2.8 90mm Makro
  • Sony f2.8 100mm Makro (SAL100M28)
  • Minolta f2.8 100mm Makro (Baugleich mit dem Sony, aber älter)
  • Sigma f2.8 105mm Makro

Die genannten Objektive wurden bzw. werden von den Herstellern immer wieder neu aufgelegt, so dass verschiedene Versionen auf dem Markt erhältlich sind. Dies kann mitunter zu Verwirrung führen. Im Falle des Sigma 105mm gehe ich aber kurz auf die (teilweise nur noch gebraucht) verfügbaren Versionen ein.

Das Tamron strich ich recht früh von meiner Liste – wohl mehr eine Bauchentscheidung aufgrund der etwas geringeren Brennweite.

Das Sony bzw. das annähernd baugleiche aber ältere Minolta 100mm Makro blieben lange in der engeren Auswahl. Allerdings war das Sony-Objektiv nicht zu einem für mich akzeptablen Preis zu finden. Beim Minolta sagte mir leider der sehr schmale Fokusring nicht zu, da ich Makrofotografie ausschließlich mit manuellem Fokus betreibe.

Also fiel mein Blick bzw. meine Wahl auf das Sigma 105mm Makro, von dem in Reviews viel Gutes zu lesen war. Wie erwähnt existieren mittlerweile mehrere Objektivversionen, auf die ich im Folgenden kurz eingehen werde:

  1. Sigma 105mm  f2.8 AF EX Makro:
    Älteste Version, noch aus Analogzeiten und daher nicht für digitale Fotografie optimiert (was erstmal nichts über die Qualität der Linse sagt).
  2. Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro:
    Nicht mehr die aktuellste Version, aber durch eine spezielle Vergütung bereits für digitale Fotografie optimiert. Ausfahrender Tubus beim Fokussieren. Besitzt keinen Bildstabilisator und keinen Ultraschallantrieb für den Autofokus.
  3. Sigma 105mm f2.8 EX DG OS HSM Makro:
    Neueste Objektivvariante mit eingebautem Bildstabilisator (OS) und Innenfokussierung durch Ultraschallantrieb (HSM).

Aus mehreren Gründen fiel meine Wahl hier auf Variante Nummer 2:

  • Auch wenn nicht mehr ganz aktuell, soll die EX DG Version laut Tests sehr scharf abbilden und auch den aktuellen, hochauflösenden Sensoren gewachsen sein.
  • Einen Bildstabilisator brauche ich nicht, da ich bei der Makrofotografie ohnehin mit Stativ oder Bohnensack arbeite. Zudem besitzt meine Sony A77 II eine kamerainterne Bildstabilisierung.
  • Da ich bei der Makrofotografie manuell fokussiere, interessiert mich der sicherlich flotte und lautlosere Autofokus mit Ultraschallantrieb der neuesten Version nicht.
  • Durch Verzicht auf die Features der neuesten Objektivversion und den Kauf der älteren EX DG Variante spare ich im Schnitt gute 100€.

In der Bucht schoss ich daher mein Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro gebraucht für  299€:

Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro Erfahrungsbericht
Das Sigma 105mm f2.8 EX DG Makroobjektiv (hier für Sonys A-Bajonett).

Verarbeitung und Bauweise

Das Objektiv ist überwiegend aus Kunststoff gefertigt – lediglich das Bajonett besteht aus Metall. Keinesfalls wirkt es dabei billig.
Anders als die aktuellste Objektivvariante ist das Sigma 105mm f2.8 EX DG jedoch nicht gegen Feuchtigkeit und Staub abgedichtet. Wer Wert auf Wetterfestigkeit legt, sollte also ein Auge auf die aktuelle EX DG OS HSM Version* werfen.

Der Fokusring ist angenehm breit, griffig und leichtgängig beim manuellen Fokussieren. Bei Bedarf lässt sich der Ring nach vorne schieben, was zur Folge hat, dass sich der Fokus nicht mehr verstellen lässt. Jederzeit ließ sich die Schärfeebene sehr exakt einstellen. Wie oben erwähnt, fährt der Tubus bei der hier vorgestellten EX DG Version aus, wenn man fokussiert:

Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro Erfahrungsbericht
Das Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro mit voll ausgefahrenem Tubus.

Auf dem Tubus ist eine Skala für den Abbildungsmaßstab abgebildet. Desweiteren ist am Objektiv ein kleines Fenster mit Entfernungsskala verbaut. Der Schalter ist nur für die Leute interessant, die das Objektiv mit Autofokus betreiben: Es handelt sich um einen Fokuslimiter, mit dem man den Fokusbereich eingrenzen kann. Nutzen tue ich dies nicht.

Wünschenswert wäre eine Stativschelle gewesen, um die Kamera mitsamt Objektiv unkompliziert vom Quer- ins Hochformat und umgekehrt zu bringen. Üblicherweise gibt es Stativschellen aber erst für längere (Makro-)Objektive. Daher behelfe ich mir mit einem 0815 Universal L-Winkel* für den Wechsel des Aufnahmeformats.

Die Naheinstellgrenze, also der minimale Abstand vom Motiv zur Sensorebene beim maximalen Abbildungsmaßstab von 1:1 beträgt 31 cm. Von der Tubusfront bis zum Motiv sind es dann noch etwa 12 cm – das ist wichtig zu wissen für all jene, die scheue Motive mit dem Objektiv ablichten wollen. Eine Abschattung des Motives durch das Objektiv konnte ich auch bei der minimalen Aufnahmedistanz bis dato nicht beobachten.

Da die Frontlinse permanent im Tubus versenkt ist (ca. 3cm), nutze ich die beiliegende Streulichtblende eigentlich nie.

Sigma f2.8 105mm EX DG Makro Erfahrungsbericht
Die Frontlinse ist permanent im Tubus des Objektives versenkt.

Das Objektiv in der Praxis: Bildqualität

Vorneweg: Ich habe für diesen Erfahrungsbericht keine Testcharts fotografiert oder Auflösungswerte ermittelt. Dafür gibt es andere Seiten – im Falle des Sigma Objektives möchte ich hierbei auf die Seite von Traumflieger Fotographics verweisen.

Bei mir gibt es dafür Eindrücke aus der fotografischen Praxis mit dem Sigma f2.8 105mm EX DG Makro.

Generell sind Makroobjektive für eine sehr hohe Schärfe bei Motiven im Nahbereich über das gesamte Bildfeld optimiert. Üblicherweise zeigen sie kaum Verzeichnung und lassen sich bereits bei Offenblende hervorragend nutzen.

Wie sieht es also beim Sigma in Sachen Detailschärfe, Verzeichnung, chromatische Abberationen (also Farbsäume) und Vignettierung aus? Kann es trotz seines relativ hohen Alters überzeugen?

Bildschärfe/Auflösungsvermögen

Ich hatte das Objektiv jetzt bei einigen Makrotouren dabei und in was die Schärfe angeht, gibt´s von meiner Seite aus nichts zu meckern. Auch feine Details der Motive werden, sofern der Fokus sitzt, scharf abgebildet. In Sachen Auflösungsvermögen des Objektives ist der 24 Megapixel APS-C Sensor meiner Sony A77II sicherlich recht fordernd – nicht jede Linse kann das bedienen!

Da man im Makrobereich mit extrem geringen Schärfentiefen zu tun (und manchmal zu kämpfen hat 😉 ), fotografiere ich persönlich selten mit komplett offener Blende (in diesem Falle f2.8). In aller Regel blende ich für ein paar Millimeter Schärfentiefe mehr auf f4- f7.1 ab. Nach meinem Eindruck ist das auch der „sweet spot“ des Objektives – soll heißen, in diesem Blendenbereich erhält man die beste Detailzeichnung. Aber auch offenblendig oder beinahe offenblendig (f2.8 – f3.5) weiß die Schärfe schon sehr zu überzeugen:

Sigma 105mm Makro
Grasfrosch. Sony A77 | 105mm | f3.5 | ISO320 | 1/30 Sek.
Sigma 105mm Makro
Detailausschnitt – die Detailschärfe lässt auch schon bei f3.5 keine Wünsche offen.

Das Sigma f2.8 105mm EX DG Makro bei komplett offener Blende:

Sigma 105mm Makro
Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis).
Sony A77II | 105mm Makro | ISO100 | f2.8 | 1/60 Sek.

Im folgenden ein paar Aufnahmen, bei denen ich geringfügig abgeblendet habe:

Kreuzkröte Sigma 105mm Makro
Kreuzkröte (Epidalea calamita).  Sony A77II | 105mm | f5.0 | ISO100 | 1/200 Sek.
Sigma 105mm Makro
Detailausschnitt bei f5.0
Sigma 105mm Makro
Moosjungfer beim Schlupf. Sony A77II | 105mm | f5.6 | ISO320 | 1/30 Sek.

Ich denke, was die Leistung in Sachen Detailschärfe angeht, sprechen die Bilder für sich. Das Sigma f2.8 105mm EX DG Makro kann auch an modernen, hochauflösenden Sensoren sehr überzeugen.
Der Blendenbereich von f2.8 bis f11 ist meiner Erfahrung nach uneingeschränkt nutzbar. Erste Beugungseffekte sind in der Detailansicht ab f16 zu sehen. Zwar lässt sich das Objektiv auf bis zu f45 abblenden – praktikabel ist dies aber nicht mehr und starke Beugungsunschärfe ist die Folge.

Mehr Beispielbilder sind in meinem verlinkten Flickr-Album zum Objektiv zu finden und können dort auch noch einmal in der vergrößerten Ansicht betrachtet werden.

Vignettierung/Verzeichnung/Bokeh

Das Sigma 105mm ist für den größeren Vollformat-Bildkreis gerechnet. Inwiefern eine Vignettierung an Kleinbildkameras sichtbar ist, kann ich nicht beurteilen, da ich das Objektiv an einem kleineren APS-C Sensor nutze. Das bedeutet in der Praxis, dass nur ein kleinerer, zentraler Bereich des erzeugten Bildkreises auf den Sensor trifft. Eventuelle Vignettierungen (also Randabschattungen) am Vollformat (Kleinbildformat) sind am APS-C Sensorformat so definitiv nicht mehr in der Form präsent, dass sie mir aufgefallen wären.
Auch Verzeichnungen sind in der Praxis nicht wahrnehmbar. Das macht das Sigma Makroobjektiv interessant für die Portraitfotografie, da Proportionen natürlich wiedergegeben werden. Die relativ große Offenblende von f2.8 in Kombination mit der leichten Telebrennweite von 105mm ermöglichen zudem eine schöne Freistellung – im Folgenden zwei Beispiele dafür, wie sich die Linse in der Portraitfotografie (sicherlich nicht mein fotografisches Steckenpferd 😉 ) schlägt:

Sigma 105mm Makro Portraitfotografie
Das Sigma 105mm Makroobjektiv ist durchaus auch für die Portraitfotografie geeignet (fotografiert mit Blende f2.8 an APS-C Sensor). © Angelina Clasen
Bokeh Sigma 105mm Makro
Bokeh bei Offenblende.
Sigma 105mm Makro für Portraitfotografie
Auch bei f2.8 (also offenblendig) ist das Sigma 105mm EX DG Makro schon sehr scharf.

Bei den gezeigten Portraitfotos habe ich übrigens ausnahmsweise den (in dieser Situation sogar recht flotten) Autofokus des Objektives genutzt. Zumindest hier saß er (bei eher bescheidenen Lichtverhältnissen im Wald) immer, wo ich ihn haben wollte. Als Kamera diente dabei meine Sony A77II. Tiefergehende Aussagen zur Verlässlichkeit des AF kann ich jedoch aufgrund mangelnder Nutzung meinserseits nicht machen.

Chromatische Abberationen

An kontrastreichen Bildstellen neigt das Sigma gelegentlich zu Farbsäumen, die sich glücklicherweise in der Nachbearbeitung gut entfernen lassen. Sichtbar sind sie in der Regel jedoch nur bei starken Ausschnittsvergrößerungen. Inwiefern die neueste Objektivversion durch eventuelle Vergütungen der Linsen hier besser abschneidet, weiß ich leider nicht.
Im Folgenden ein (stark gecropptes) Beispiel:

Farbsäume treten gelegentlich an kontrastreichen Bildstellen auf…
… lassen sich aber in der Nachbearbeitung meist gut entfernen.

Sonstiges

Ein Punkt, den man beim Fotografieren mit dem Objektiv berücksichtigen sollte: Im Nahbereich beim Abbildungsmaßstab von 1:1 reduziert sich die effektive Lichtmenge um grob 2 Blendenstufen. Dies hat sich bei meiner Sony A77 II jedoch nicht dadurch bemerkbar gemacht, dass ein angepasster Blendenwert angezeigt wurde. Lediglich die Belichtungszeit verlängerte sich (im Modus Blendenpriorität (A)). Die effektive Lichtstärke im Nahbereich beim Abbildungsmaßstab von 1:1 liegt offenblendig bei ca. f5.6. Das ist bei Makroobjektiven jedoch nicht unüblich. Zumindest bei Nikon Kameras wird laut einiger Forenbeiträge der effektive Blendenwert angezeigt. An Sony SLTs sollte man diesen Lichtverlust des Objektives zumindest im Hinterkopf haben.

Wie immer werde ich bei weiteren Erfahrungen mit dem Sigma 105mm Makro auch diesen Artikel aktualisieren.

Fazit

Wirkliche Schwächen leistet sich das Sigma f2.8 105mm EX DG Makro nicht, auch wenn es nicht mehr die aktuellste Version ist.
Die Detailschärfe in den Fotos ist bereits offenblendig sehr gut und Bildfehler muss man wirklich mit der Lupe suchen.
Der Eine oder Andere wird sich an der fehlenden Bildstabilisierung sowie dem ausfahrenden Tubus stören (nicht ganz unbedeutend bei scheuen Motiven) – in diesem Fall ist ein Blick auf die aktuelle Version Sigma f2.8 105mm EX DG OS HSM Makro* sicherlich interessant. Erhältlich ist diese für Canon, Nikon, Sony und Sigma
(-> Produktinfo auf der Sigma Homepage).
Wer über die genannten Kritikpunkte hinwegsehen kann und zudem etwas Geld sparen möchte, der kann ohne zu zögern auch anno 2017 noch zu der älteren EX DG Variante greifen.
Abschließend noch einmal die Pros und Contras zum Objektiv:

Pro

  • bereits offenblendig sehr scharf
  • Vignettierung und Verzeichnung so gut wie nicht vorhanden
  • Tauglich für Vollformat
  • Auch interessant für Portraitfotografie
  • günstig (nur noch gebraucht) zu erwerben (~300€)

Contra

  • Gelegentlich chromatische Abberationen
  • Ausfahrender Tubus beim Fokussieren
  • Keine Wetterfestigkeit
  • Keine Bildstabilisierung (sofern man sie bei der Makrofotografie braucht)

* Affiliate Link zu Amazon – Beim Kauf über diesen Link erhalte ich eine kleine Provision. Für den Käufer entstehen keine Nachteile.

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9 Kommentare zu „Sigma 105mm f2.8 EX DG Makro – Mein Erfahrungsbericht

  1. Hallo Patrick,

    sehr interessanter Bericht und tolle Fotos. Ich suche für meine D600 auch noch ein schönes Makro und bin mir auch noch recht unschlüssig. Vollformat ist ja auch immer so eine Preissache. Ich hatte übrigens in der Vergangenheit auch mal ein Sigma 105 mm im Einsatz aber das war F2.8 EX DG OS HSM an einer Sony Alpha 65. Eine sehr schöne Optik. Kann ich auch ohne Bedenken empfehlen.

    Viele Grüße
    Tobias

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  2. Hi Patrick,

    schöner, ausführlicher Bericht! Das Glas hatte ich auch mal. An einer Pentax K-5. Alte Zeiten. Mir hat das Objektiv sehr gut gefallen. Ich habe es nur verkauft, weil ich dann zu Canon gegangen bin.

    Hamburg-Grüße (Mistwetter, Mistwetter, Mistwetter …)

    Jörn

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