Foto(s) der Woche #20 – Mein fotografisches Wochenende

Den letzten Monat war es komplett still hier auf meinem Blog. Tatsächlich hatte ich in den vergangenen Wochen meine Kamera nicht ein einziges Mal in der Hand, da ich schlichtweg keine Zeit fand, um fotografieren zu gehen. Umso freudiger erwartete ich dieses Wochenende, an dem ich endlich wieder einmal Gelegenheit finden sollte, den Auslöser zu drücken. Bereits unter der Woche schmiedete ich Pläne für meine fotografischen Ausflüge. Leider blieben die Ergebnisse diesmal hinter den Erwartungen zurück.

Wie so oft, wenn man mit zu großer Erwartungshaltung an etwas herangeht, ist die Gefahr groß, hinterher enttäuscht zu werden. Leider hatte ich in der Vorfreude auf das Wochenende, das endlich mal wieder ganz mir und meinem Hobby gehören sollte, eine solche Erwartungshaltung aufgebaut. Für den Samstag hatte ich mir vorgenommen, nach Sankt Peter Ording an die Nordsee zu fahren und dort im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer die berühmten Pfahlbauten bei Sonnenuntergang zu fotografieren. Da ich jetzt im Winter nicht mehr allzu viel spannendes bei der Tierwelt des Nationalparks erwartete, entschied ich mich dafür, das Teleobjektiv zu Hause zu lassen und mich ganz auf die Fotografie mit dem Ultraweitwinkel zu konzentrieren. Welch ein Fehler das war…

Das Wetter an diesem Tag war herrlich – strahlender Sonnenschein und absolute Windstille. Auf meinem 5 Kilometer langen Weg entlang des Dammes zum Böhler Strand wurde mir richtig warm. An den Pfahlbauten der Seekiste angekommen, hatte ich etwa 2 Stunden Zeit bis zum Sonnenuntergang, um mir Gedanken über meine Bildgestaltung zu machen. Bewusst hatte ich mir diesen Strandabschnitt ausgesucht, da er nach Südwesten orientiert ist – vielversprechend für Sonnenuntergänge im Winter.

Was schwebte mir in Sachen Bildgestaltung vor?

Ich wollte mein Foto für den Tag sehr simpel halten – die Pfahlbauten sollten eher dezent im Hintergrund neben der untergehenden Sonne zu sehen sein.

St. Peter Ording Fotografie
Die Seekiste am Böhler Strand.

Als gestaltendes Element im Bildvordergrund stellte ich mir Rippelstrukturen im Sand vor, die das Wasser dort hinterlasssen hatte. Auch eine Salzwasserpfütze, in der sich vielleicht sogar die Pfahlbauten spiegeln, hätte sicherlich seinen Reiz gehabt. Nachdem ich viel mit der Bildgestaltung herumprobiert und Testaufnahmen gemacht hatte, merkte ich, dass dies heute und hier nicht funktionieren würde. Ich beließ es bei den Wellenstrukturen im Sand als Bildvordergrund.

Störche
Weißstörche in den Salzwiesen.

Nun hatte ich noch etwas Zeit, um ein wenig durch die Salzwiesen dieses Küstenabschnittes zu wandern. Und was erblickte ich dort an einem kleinen Tümpel in den Wiesen? Da ließen sich doch glatt dutzende Weißstörche in bester Fotoentfernung nieder – sofern man eine mittlere Telebrennweite dabei hat. Für mich als Kind der Stadt war dies ein wirklich besonderer Anblick! Jetzt wünschte ich mir nichts sehnlicher als mein Tamron 150-600mm herbei. Vermutlich hätte ich den Rest des Tages damit verbracht, die Störche zu fotografieren, ließen sie sich doch durch meine Anwesenheit nicht stören.

So schön es manchmal ist, sich auf auf ein Objektiv zu konzentrieren – jetzt verfluchte ich meine Entscheidung. Mit 10-20mm Brennweite war hier nichts zu reißen.

Nun wurde es aber Zeit, zurück zu den Pfahlbauten zurückzukehren. Die Sonne näherte sich langsam dem Horizont. Schnell merkte ich, dass das eigentlich perfekte Wetter fotografisch gesehen einen Nachteil hatte: Die Luft war kristallklar und es war kaum eine Wolke zu sehen. Dadurch blieb der Sonnenuntergang unspektakulär farblos. Uns Fotografen kann man es wohl nie recht machen…

Im folgenden nun das Ergebnis der Fotosession:

St. Peter Ording Pfahlbauten
Die Seekiste. Sony A77 II | 10mm | f16 | ISO 100 | 1/3 Sek.

Normalerweise sagt man ja, man solle nur seine besten Ergebnisse zeigen. Ich finde, man kann auch einfach mal ein als mittelmäßig empfundenes Foto zeigen, diskutieren, was einem nicht gefällt und so etwas für die nächsten Male lernen.

Zunächst war die Lichtstimmung für dieses Motiv zu unspektakulär. Der Sonnenuntergang war farblich eher blass.

Die Rippeln im Bild funktionieren meiner Meinung nach in diesem Falle nicht als Vordergrund, da sie zu unregelmäßig sind und nicht in das Bild hineinführen.

Das Hauptmotiv selber, also der Pfahlbau, erscheint mir im Nachhinein nicht fotogen genug, da zu unruhig. Links, außerhalb des Bildausschnittes gab es noch einen simpleren Pfahlbau, der vermutlich besser als Hauptmotiv funktioniert hätte.

Vom technischen Standpunkt her stören mich die stürzenden Linien zur Rechten der Seekiste, die ich partout nicht in den Griff bekam bei der gewählten Perspektive. Dies ist der sehr kurzen Brennweite geschuldet, die für Bauwerke nicht immer optimal ist.

Zu guter Letzt wirken die Sonnensterne beim verwendeten Objektiv immer sehr unsauber trotz der geschlossenen Blende (f16).

Mir ist es wichtig, zu erkennen warum ein Foto nicht funktioniert – nur so lerne ich dazu. Bei meinem nächsten fotografischen Ausflug werde ich nun verstärkt auf die genannten Kritikpunkte achten und es besser machen!

Und bei aller Kritik am Foto – es geht ja auch darum, einfach draußen zu sein und die Zeit zu genießen. Das habe ich definitiv.

Als nämlich die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwunden waren, hüllte ein dichter Nebel die Salzwiesen und die Pfahlbauten ein, was eine fantastische Stimmung erzeugte. Beim Blick vom Damm zurück gen Seekiste waren nur noch die Spitzen der Wahrzeichen von St. Peter Ording zu erkennen – mit einer längeren Brennweite hätte ich hier nochmal ein schönes Foto machen können 😉

Nebel St. Peter Ording
Dichter Nebel hüllt die Pfahlbauten ein (leider nur ein Handyfoto).

Auch den Sonntag wollte ich noch einmal fotografisch nutzen – diesmal allerdings mit der langen Brennweite. Seit einigen Monaten versuche ich bereits, eine Eule auf den Sensor zu bannen. Immer wieder bin ich an geeigneten Stellen unterwegs und halte Ausschau nach Waldkauz, Uhu und Co. Zwar konnte ich nachts bereits einmal kurz einen Waldkauz beobachten bzw. rufen hören, ein Foto war mir jedoch bis dato nicht vergönnt. Kürzlich bekam ich einen Tipp, wo ich Waldohreulen finden könnte. Zweimal zog ich bereits los, um vielleicht den Tageseinstand dieser interessanten Vögel ausfindig zu machen. Gezielt suchte ich auch heute insbesondere Nadelbäume ab, die den Tieren auch im Winter genügend Deckung bieten. Die sprichwörtliche Suche der Nadel im Heuhaufen.

Leider war sie heute nicht von Erfolg gekrönt.

So nahm ich dann zum Schluss eben noch mit diesem Kormoran vorlieb:

Kormoran
Kormoran. Sony A77 II | 600mm | f6.3 | ISO 640 | 1/400 Sek.

Also, was ist meine persönliche Take-Away Message für dieses Wochenende?
Wichtig ist es, am Ball zu bleiben, auch wenn es mal nicht so läuft wie erhofft. Wichtig ist es auch, positiv kritisch gegenüber dem eigenen Schaffen und flexibel zu bleiben. Und nicht zu Letzt: Die Fotografie und das Drumherum zu genießen und zwar unabhängig vom Resultat.

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12 Kommentare zu „Foto(s) der Woche #20 – Mein fotografisches Wochenende

  1. Dein letzter Satz ist der Entscheidende, nämlich die Fotografie zu genießen. Oft macht man sich unnötig Stress und produziert um des Produzierens willen. Weniger ist manchmal mehr. Lerne ich gerade. 😉

    Gruß, Annett

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    1. Recht hast du – gerade dieser Druck kann einem die Freude am Fotografieren vereiteln. Natürlich möchte man besser werden aber das kommt früher oder später. Ein gesundes Maß an Ehrgeiz ist mir persönlich wichtig, wenn ich aber merke, dass es mir die Freude an der Sache nimmt, läuft etwas falsch. Solange es nur ein Hobby ist, gibt es keinen Grund, sich verrückt zu machen!
      Liebe Grüße,
      Patrick

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  2. Hi Patrick,
    willkommen im Club, wenig Zeit haben und der Finger juckt zum abdrücken bei der Cam 😉 Und eben, wenn man dann mal Zeit hat, heisst es nicht automatisch dass alles wunschgemäss abläuft.
    Bin deiner Meinung, weshalb nicht mal ein Bild zeigen welches den eigenen Ansprüchen nicht genügt. Und genau, aus gewisser Unvollkommenheit kann man lernen, und man muss ja immer dazulernen, gell. Es gibt ja genug Fotografen die all ihre Bilder unsagbar toll finden :-/
    Wäre spannend gewesen, dieses Bild ohne jeglichen Kommentar einzustellen und die Blogger zu bitten, zu schreiben was ihnen spontan einfällt zum Bild. Wäre sicher noch interessant gewesen zu sehen, wem was zuerst ins Auge fällt.
    Mein Kommentar: romantisch, Stille, Ruhe, Den Sand im Vordergrund finde ich sofern cool wegen den Strukturen. Aber du hast Recht, es leitet nicht ins Bild. Die Stürzenden Linien könnte man korrigieren mit PS. Was mich stört ist der Kondensstreifen vom Flieger. Das mag ich gar nicht und ich musste schon öfters die Zähne knirschen weil es mir auch passiert ist :-/ Könnte man aber relativ leicht korrigieren. Wäre natürlich toll gewesen wenn du noch mehr Drama im Wolkenspiel gehabt hättest. Aber eben, das lässt sich nicht programmieren. Aber du hattest frische Luft an der See und dazugelernt. Und du kennst den Platz, kannst also wieder hingehen. Den Kormi finde ich natürlich süss, mag es wenn sie Engelchen spielen 🙂

    wünsche dir noch eine gute Woche, eine schöne Adventszeit hoffentlich mit mehr Zeit, liebe Grüsse Thee.

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    1. Hallo Thee,
      danke für deinen umfangreichen Kommentar und die Beschäftigung mit dem Bild!
      Du hast recht, die Kondensstreifen sind doch arg störend. Ich könnte nochmal nach anderen Varianten des Bildes schauen, in denen keine zu sehen sind. Wegstempeln hätte ich sie natürlich auch können. Zumindest in Lightroom habe ich versucht per manueller Profilkorrektur die stürzenden Linien zu korrigieren, zugegebenermaßen bin ich aber Photoshop-faul auch wenn ich Photoshop CC auf dem Rechner habe. Üblicherweise aber bleibe ich bei Lightroom. Vielleicht sollte ich mich mal mehr mit PS auseinandersetzen.

      Die liebe Zeit – ich hoffe nun wieder mehr von ihr zu haben. Mittlerweile bin ich ja absolut fasziniert von Eulen, auch wenn ich die Eulensichtungen in meinem Leben an einer Hand abzählen kann. Ich hoffe aber in diesem Jahr endlich auf mein erstes Eulenfoto und werde kommendes WE einen Uhuspot aufsuchen und auf mein Glück hoffen.

      Ich wünsche dir jedenfalls eine ebenso erholsame Adventszeit mit ein paar schönen Motiven und sende dir beste Grüße in die Schweiz!
      Patrick

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      1. Ich mache alles im PS CC. Stehe auf Kriegsfuss mit LR.
        Eulen sind traumhaft. Mag diese Augen. Wäre auch nicht abgeneigt mal eine Reise zu machen nur für Eulen.
        Bin jetzt aber im Robbenfieber. Habe heute meine Robbenbilder bekommen Gallery-Print. Alle 40/60. sind toll geworden.
        Und bald gehts auf die Kapverdischen Inseln😀
        LG Thee

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  3. St Peter-Ording … Keine Ahnung, wie viele Jahre ich dort fotografiert habe. Die Landschaft ist wunderschön. Vor allem im Winter. Ich mag aber lieber Bad oder Ording. Von Kiel ist es deutlich dichter, als von Hamburg. Ich beneide dich um den kurzen Weg!

    Morgengrüße aus der Hansestadt

    Jörn

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    1. Hallo Jörn,
      ja ich bin schon dankbar einen so schönen Flecken Erde in relativer Nähe zu haben. Werde mich dort definitiv noch häufiger fotografisch austoben. Das nächste Mal werde ich dort aber nicht ohne Teleobjektiv hinfahren. Ich war beeindruckt von der Stille dort bei meinem letzten Besuch. Sehr wohltuend! Beste Grüße in die Hansestadt!

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  4. Hi Patrick,

    schön wieder, von Dir zu lesen. Das mit dem stillen Blog kann ich leider immer noch nachvollziehen. Auf den Kinderwagenrunden genieße ich aber jede Minute draußen – auch wenn manchmal gar kein Bild entsteht. Da ich die kleine auf dem Arm habe drücke ich jetzt auf „abschicken“ 🙂

    LG
    Timo

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    1. Hallo und Moin moin 🙂 Dankeschön! Ich bin eben über Ihren Beitrag mit den Waldohreulen gestolpert und habe auch direkt mal den Follow Button gedrückt. Eine tolle Begegnung mit diesen Tieren! Ich arbeite seit Monaten auf ein Eulenbild von Waldkauz, Uhu und Co. hin. Bis dato leider ohne Erfolg, trotz des Wissens, dass die Tiere da sind. Aber das macht es auch so reizvoll! Ihnen weiter “Gut Licht“!

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