Acht Monate mit der Sony SLT A77 II – Erfahrungsbericht

Anfang des Jahres habe ich mir die Sony SLT A77 II (ILCA-77M2) geholt, nachdem ich zuvor bereits längere Zeit mit Sonys A58 fotografiert habe.
Nach gut acht Monaten der Nutzung wird es nun Zeit für einen Erfahrungsbericht zu der im semi-professionellen Bereich angesiedelten APS-C Kamera.

Die A77 II kam vor gut zwei Jahren als Nachfolger der Sony A77 Mark I auf den Markt und ist seitdem das APS-C Flaggschiff bei Sonys (lange totgesagtem) A-Mount.
Genau wie die A58 oder die kürzlich auf der Photokina angekündigte A99 II ist die A77 II eine sogenannte SLT (Single lens translucent) Kamera. Dies bedeutet, dass der Spiegel einen Großteil des Lichtes zum Sensor durchlässt, während ein geringerer Teil des Lichtes über diesen Spiegel in das Autofokusmodul geleitet wird. Der Spiegel sitzt fest – das heißt, er klappt beim Auslösen nicht hoch, wie dies bei herkömmlichen DSLRs der Fall ist.
Diese Technologie hat Vor- als auch Nachteile. Zum einen erlaubt sie einen permanenten Phasenautofokus (also beispielsweise auch bei aktiviertem Videomodus), der in aller Regel deutlich schneller als der Kontrastautofokus ist. Nachteilig ist, dass durch den teildurchlässigen  Spiegel immer auch etwas Licht verloren geht. Weder Vor- noch Nachteil sondern wohl eher Geschmackssache ist der elektronische Sucher, den diese SLT Kameras besitzen. Allzu sehr möchte ich jetzt aber nicht auf jedes technische Detail eingehen, denn es soll hier in diesem Bericht natürlich in erster Linie um meine sehr subjektiven Eindrücke zur Kamera gehen. Wer sich für die harten technischen Fakten interessiert, kann sich auf der Website von Sony detaillierter informieren.

Bauweise, Haptik und Bedienung

Ein entscheidender Grund für mein Upgrade von der A58 auf die A77 II war, dass ich eine robustere und griffigere Kamera haben wollte. Die A58 ist doch etwas klein für meine Hände. Da ich viel draußen unterwegs bin, um Wildlife zu fotografieren war mir auch ein gewisser Wetterschutz sowie ein flotter Autofokus wichtig.

Sony A77 II Erfahrungsbericht
Frontalansicht der Sony A77 II.

Das Gehäuse der Kamera besteht aus einer Magnesiumlegierung sowie Kunststoffbauteilen. Die wichtigsten Knöpfe und Einstellräder sind laut Sony „versiegelt“, was einen gewissen Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit bietet (laut Website ist dies jedoch kein Schutz gegen Spritzwasser). Leider bietet das Akkufach keine Abdichtung durch einen Gummiring oder ähnliches. Bei allzu extremen Wettersituationen hatte ich die A77 II bisher nicht im Einsatz, der eine oder andere Nieselregen war aber schon dabei und konnte der Kamera, trotz nicht abgedichteter Objektive, nichts anhaben. Mit dem richtigen Objektiv kann die Kamera sicherlich etwas mehr an schlechtem Wetter wegstecken – siehe das Video von Digitalrev (mit der A77 I). Wer großen Wert auf Wetterfestigkeit legt, der sollte sich vielleicht mal die verschiedenen Kameramodelle von Pentax (K3 II, K70…) anschauen. Hier mal eine beeindruckende Demonstration der Robustheit von Pentax Kameras – auch wenn ich dies nicht zur Nachahmung empfehlen würde 😉
In jedem Falle hält sich die A77 II sehr griffig. Lediglich mein kleiner Finger hängt unten etwas über. Das ist aber für mich nicht störend und es lässt sich mit einem optional erhältlichen (allerdings teuren!) Batteriegriff Abhilfe schaffen. Der Griff der A77 II ist angenehm tief und gummiert (genau wie die Ablagefläche für den Daumen), was verhindert, dass einem die Kamera allzu leicht aus der Hand rutscht.
Die Knöpfe sind teils gewölbt, teils leicht vertieft, so dass man sie taktil unterscheiden kann. Sehr hilfreich, gerade wenn es schnell gehen muss und man nicht den Blick vom Sucher nehmen möchte/kann.

Sony A77 II Erfahrungsbericht
Die Rückseite der Sony A77 II. Die Kamera ist angenehm griffig.

Beinahe alle Knöpfe lassen sich frei belegen, so dass man die Bedienung ganz auf die persönlichen Bedürfnisse zuschneiden kann. So arbeite ich mit dem sogenannten Back Button Focusing. Zu diesem Zweck habe ich die AF/MF Taste so konfiguriert, dass mit ihr fokussiert wird, während der Auslöser nur noch die Belichtung startet.
Wie man dies einstellt, zeige ich im folgenden Video:

Die beiden Rändelräder an Vorder- und Rückseite der Kamera erlauben ein schnelles Navigieren durch das Menüsystem als auch das Verstellen von Blende und Verschlusszeit in den manuellen/halbautomatischen Modi. Sie sind nicht zu leichtgängig, so dass man sie nicht versehentlich verstellt.
Der kleine Joystick wird dann sehr nützlich, wenn es darum geht, einzelne Autofokuspunkte (insgesamt gibt es 79 davon) bzw. Autofokusfelder anzuwählen. Das kam mir bei der Naturfotografie häufig entgegen, gerade wenn sich mein Motiv zwischen Vegetation versteckt hielt und die Kamera Schwierigkeiten hatte, das gewünschte Hauptmotiv zu erkennen.
In diesem Zusammenhang sei unbedingt noch der kamerainterne Fokuslimiter genannt, der sich standardmäßig durch Betätigung der C-Taste aufrufen lässt. Mit seiner Hilfe lässt sich der Fokusbereich am langen als auch am kurzen Ende begrenzen – ein sehr nützliches Feature!

Der rückseitige, dreh- und schwenkbare LCD-Monitor ist hochauflösend und bietet ein sehr klares Bild, so dass ich bei der Begutachtung meiner Fotos Details wie die Bildschärfe sehr gut beurteilen kann.

Display Sony A77 II
Das dreh- und schwenkbare Display.

Um Akkuleistung zu sparen, habe ich den Bildschirm häufig nach innen gedreht, so dass er nicht aktiv ist. Da die Kamera, wie eingangs erwähnt, über einen (sehr guten) elektronischen Sucher verfügt, lassen sich Bilder auch über diesen kontrollieren. Werden Blende, ISO oder Verschlusszeit verstellt, so werden die Auswirkungen auf die Belichtung auch im Sucher angezeigt. Zudem lässt sich das Histogramm und andere Informationen im Sucher einblenden. Für Brillenträger lassen sich Dioptrin-Anpassungen vornehmen und auch die Sättigung des Sucherbilds ist einstellbar.
Für mein Empfinden bietet ein solch elektronischer Sucher viele Vorteile, zu denen gehört, dass man auch bei sehr schlechten Lichtsituationen noch ausreichend viel erkennt. Nachteilig hingegen ist sicherlich der höhere Energieverbrauch im Vergleich zu Kameras mit optischem Sucher. Da ich nie wirklich einen optischen Sucher benutzt habe, ist es hier schwer für mich, objektive Vergleiche anzustellen. Eine Verzögerung in der Darstellung, insbesondere bei schnell beweglichen Motiven, ist mir bis dato nicht negativ aufgefallen.

Ein nützliches Bedienelement ist das beleuchtbare Schulterdisplay, indem wichtigste Parameter  wie Aufnahmeformat, Blende und Verschlusszeit angezeigt werden.

Sony A77 II Schulterdisplay
Sony A77 II Schulterdisplay.

Zum Schluss des Abschnitts noch ein deutlicher Kritikpunkt in Bezug auf die Bauweise der Kamera: Die Sony A77 II hat nur einen Speicherkartenslot. Das ist für viele professionelle Fotografen ein Ausschlusskriterium. Ich hatte dieses Jahr bereits einmal das Worst Case Szenario, dass meine SD-Karte beim Fotografieren fehlerhaft war und mir die Bilder darauf verloren gegangen sind. Das war natürlich nicht direkt der Fehler der Kamera, hätte aber mit einer weiteren Speicherkarte in der Kamera, auf der eine zweite Kopie aller gemachten Fotos gespeichert wird, verhindert werden können. Eigentlich sollte ein zweiter Speicherkartenslot in dieser Preisklasse (~900€ – 1000€) Standard sein.

Konnektivität (WLAN, NFC…)

PlayMemories Mobile
PlayMemories Mobile App.

Mithilfe von Sonys PlayMemories Mobile App lässt sich die A77 II per WLAN steuern. Wobei Steuern eigentlich das völlig falsche Wort ist. Denn in Verbindung mit der Sony A77 II lässt sich bei dieser App lediglich der Auslöser der Kamera betätigen – weder Blende, ISO noch Verschlusszeit (geschweige denn andere Parameter) lassen sich ferngesteuert einstellen. Auch zuvor an der Kamera vorgenommene Einstellungen werden von der App nicht übernommen. Stattdessen arbeitet die Kamera bei der Nutzung von PlayMemories Mobile in einem Automatikmodus. Bei einigen E-Mount Kameras (A7, A6000…) scheint die App mehr Funktionen zu unterstützen. An der A77 II verkommt sie jedoch zu einem schlechten Witz. Schade – ich hätte die potentiellen Möglichkeiten einer kabellosen Fernsteuerung per Smartphone gerne genutzt.

Die Sony A77 II ist auch mit NFC (Near Field Communication) ausgestattet, was in Verbindung mit NFC-fähigen Smarthphones/Tablets eine unkomplizierte Datenübetragung erlaubt. Mangels eines solchen Smartphones habe ich diese Funktion bis dato nicht genutzt.

Will ich erschütterungsfrei auslösen oder im Bulb-Modus fotografieren, nutze ich einen günstigen Kabelauslöser, mit dem ich die Kamera über den Multi-/Micro-USB Anschluss ansteuere. Das klappt problemlos.

Die Kamera in der Praxis

Es ist sehr schwierig, jeden möglicherweise relevanten Themenpunkt in so einem sehr subjektiven Erfahrungsbericht abzuhandeln. Deshalb konzentriere ich mich hier auch auf die Aspekte, die mir persönlich wichtig sind:

  • Bedienung
  • Akkulaufzeit
  • Autofokusgeschwindigkeit und -genauigkeit
  • Videomodus
  • und natürlich die Bildqualität

Gehen wir diese Themen doch einmal Schritt für Schritt durch.

Bedienung

Über meine Eindrücke bei der Bedienung der Sony A77 II habe ich mich ja zum Teil bereits weiter oben im Artikel ausgelassen.

Häufig erwähnter Kritikpunkt sind die Sony Kameramenüs, denen man etwas Unübersichtlichkeit vorwirft.
Tatsächlich kann die Vielfalt an Konfigurationsmöglichkeiten zunächst etwas erschlagen. Andererseits sind ja gerade diese Möglichkeiten auch ein großes Plus, erlauben sie mir doch, die Kamera ganz nach meinen Bedürfnissen zu konfigurieren. Auf drei verschiedenen Speicherplätzen, die über das Moduswahlrad aufrufbar sind, lassen sich die gemachten Einstellungen übrigens auch speichern. Für den Fall, dass es mal schnell gehen muss, habe ich mir auf Speicherplatz 1 die Kamera für schnell bewegliche Motive konfiguriert, d.h. ISO-Automatik, Serienbildmodus und Autofokusverriegelung bei kontinuierlichem Autofokus.
Ob man die Menüs nun für übersichtlich hält oder nicht, hängt wohl auch davon ab, ob man von einem anderen Kamerasystem auf Sony umgestiegen ist. Da ich aber seit Beginn meiner digitalen Fotografie mit dem Alpha-System fotografiere, ist mir die Menüstruktur nicht als zu kompliziert aufgefallen.

Immer wieder als hilfreich erwies sich das dreh- und schwenkbare Display der Kamera, von dem ich beim Fotografieren aus verschiedenen (insbesondere bodennahen) Perspektiven gerne Gebrauch mache. Diese Funktion ist auch für Filmer interessant, die so beispielsweise die Möglichkeit haben, sich bei Vlogs oder ähnlichem selber zu filmen.

Display Sony A77 II
Das dreh- und schwenkbare Display.
Display Sony A77 II
Das Display von der Seite.

Akkulaufzeit

Hier darf man sich nichts vormachen: Die Akkulaufzeit einer A77 II wird aufgrund des vorhandenen elektronischen Suchers sowie dem permanent aktivem Liveview nicht mit der Akkulaufzeit einer klassischen DSLR mithalten können. Zwischen 350 und 700 Auslösungen geben verschieden Quellen als Akkulebensdauer der A77 II an. Ich habe bis dato noch nicht gezählt, werde das aber bei Gelegenheit nachholen und diesen Abschnitt aktualisieren.

Bei meinen Fototouren kam ich allerdings so gut wie immer mit einer Akkuladung über den Tag, da ich üblicherweise nicht Tausende von Fotos innerhalb weniger Stunden schieße.
Um Energie zu sparen, drehe ich häufig das Display nach innen, so dass nur der Sucher aktiviert ist, nicht aber der Bildschirm. Außerdem habe ich den Flugzeugmodus eingestellt, so dass das WLAN deaktiviert ist. Für längere Fotosessions habe ich mir eine günstige (allerdings qualitativ nicht überragende) Imitation des originalen Batteriegriffs* zugelegt, der mir die Verwendung von zwei Akkus erlaubt.

Update 19.01.2017

Bei meiner letzten Fototour habe ich vermehrt auf die Akkuleistung der A77 II geachtet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt war der Akku nach ca. 300 Aufnahmen bei ungefähr 50%.  Bei wärmeren Temperaturen wären also mit einer Ladung durchaus mehr als 600 Aufnahmen zu erwarten. Das ist nicht sensationell viel aber in Ordnung.

Autofokus

Besonders beworben wird der leistungsfähige Autofokus der A77 II mit seinen 79 Fokuspunkten.

Wie schlägt er sich in der Praxis?
Kurz zu meinen Autofokuseinstellungen – Ich nutze bei schnell beweglichen Motiven den Modus Autofokusverriegelung: Erweiterter Flexible Spot bei eingestelltem, kontinuierlichen Autofokus (AF-C). Mit dem Steuerkreuz kann ich so gezielt einen Autofokuspunkt bzw. die acht umliegenden Fokuspunkte auf das Motiv legen, dass dann anschließend automatisch bei gedrückter Fokustaste (bzw. halb gedrückten Auslöser) über das gesamte Fokusfeld verfolgt bzw. fokussiert wird. Bei guten Lichtverhältnissen, wenn das Motiv nicht zu klein oder versteckt war, funktionierte die Motiverkennung und -verfolgung sehr zuverlässig und die Schärfe lag da, wo sie hinsollte. Bei schlechteren Lichtverhältnissen ist die Motiverkennung gelegentlich etwas sprunghaft. Bei schnellen Motiven empfehle ich den Serienbildmodus mit bis zu 12 Bildern pro Sekunde (einstellbar am Moduswahlrad), der die Ausbeute an scharfen Fotos nochmal erhöht. Wählt man den Serienbildmodus über das Funktionsmenü aus, so erhält man immer noch beachtliche 8 Bilder/Sekunde (mit kontinuierlichem Autofokus und möglicher Anpassung von Blende und Verschlusszeit). Beim Burst-Mode mit den maximalen 12 Bildern in der Sekunde wird der Fokus zwar nachgeführt, es ist aber keine manuelle Anpassung von Blende und Verschlusszeit mehr möglich.

Update 15.12.2016

Nachfolgend ein kurzer Vergleich des Serienbildmodus der A77 II im RAW- und JPG-Modus, den ich kürzlich gemacht habe. Getestet habe ich die maximal mögliche Anzahl an Bildern in Serie, bis der Pufferspeicher der Kamera voll ist (genutzte Speicherkarte: San Disc Ultra SDHC 80MB/s):

Selbstredend ist die Fokusgeschwindigkeit sowie -genauigkeit immer ein Resultat der Kamera-Objektiv Kombination. In meinem Falle kamen bei schnellen Motiven meist das Tamron SP 150-600mm f5-6.3 USD sowie das Tamron 70-300mm f4-5.6 USD zum Einsatz. Wer Probleme mit einem Front- oder Backfokus hat, kann mit der A77 II über das Kameramenü eine Mikro-AF Justierung für das jeweilige Objektiv vornehmen, die dann gespeichert wird.

Autofokus Sony A77 II
In aller Regel saß der Fokus wirklich gut – auch bei schnell beweglichen Motiven. Objektiv: Tamron 150-600mm USD. Hilfreich ist auch die hohe Serienbildgeschwindigkeit.
Sony A77 II
Bei kleinen, gut getarnten Motiven wie diesem Sandregenpfeifer ist die automatische Motiverkennung und -verfolgung natürlich etwas holpriger.

Der Videomodus

Die Videografie ist ein Thema, dass mich erst seit kurzem wirklich interessiert. Aus diesem Grund ist dieser Abschnitt zunächst kurz gehalten, ich werde ihn aber bei weiteren Erfahrungen aktualisieren.

Die A77 II hat 3 Videoformate zur Auswahl:

  1. XAVC S (Hier sind spezielle Speicherkarten nötig, die dieses Format unterstützen.)
  2. AVCHD (Mit bis zu 50 Vollbildern in der Sekunde und in Full HD.)
  3. MP4

Leider habe ich momentan als Schnittprogramm nur den vorinstallierten Windows Movie Maker zur Verfügung, der die AVCHD-Dateien nur fehlerhaft wiedergibt. Den Grund hierfür konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen.
Gezwungenermaßen filme ich deswegen gerade im MP4 Dateiformat, was dem Programm keine Probleme bereitet.
Auch wenn man durch die SLT Technologie beim Filmen den flotten Phasenautofokus zur Verfügung hat, arbeite ich in der Videografie generell mit dem manuellen Fokus. Hier lässt sich durch das hervorragende Fokuspeaking (fokussierte Konturen werden auf dem Bildschirm farblich hervorgehoben) sehr präzise scharfstellen. Hier zeige einmal meine ersten Gehversuche in der Videografie mit der Sony A77 II (und dem Tamron 150-600mm):

Bildqualität

Ein wichtiger Punkt in so einem Erfahrungsbericht ist natürlich die Bildqualität. Generell bin ich der Meinung, dass die Sensortechnologie seit Jahren bereits sehr ausgereift ist. Wirklich schlechte Kameras gibt es eigentlich nicht mehr – das könnte sich bei den heutigen Ansprüchen der Kunden in Sachen Rauschverhalten, Dynamikumfang und Schärfe auch keiner der Wettbewerber mehr leisten. Vergleiche stellt man man meist in der 100% Ansicht an. Ich persönlich finde, hier sollte man es nicht übertreiben. Ja, gelegentlich kann Pixelpeeping interessant sein. Aber wenn ich meine Bilder ausdrucke und an die Wand hänge, habe ich immer einen gesunden Betrachtungsabstand zu ihnen. Da ist mir eine 100%-Ansicht dann egal.

Natürlich gehe ich aber auf die genannten Aspekte der Bildqualität ein. Zeigen werde ich aber keine Bilder aus dem Labor sondern aus der fotografischen Praxis.

Detailschärfe

Das richtige Objektiv vorausgesetzt bieten die 24 Megapixel viel Potential für detailreiche Fotos und große Drucke. Ich lasse mir immer wieder Bilder in 60x40cm ausdrucken und bin hoch zufrieden mit der Qualität und dem Detailreichtum. Auch bis 90x60cm würde ich ohne zu zögern gehen. 6000×4000 Pixel lassen auch noch ordentlich Spiel zum Croppen des Bildes. Nachfolgend zeige ich ein paar Fotos bzw. Auschnitte von Fotos, die mit der A77 II entstanden sind. Macht euch einfach selbst ein Bild:

Sony A77 II Bildqualität
Zauneidechse beim Sonnenbad (unbeschnitten). 300mm | f8 | ISO 200 | 1/125 Sek.
Sony A77 II Bildqualität
Baumläufer (Crop). 600mm | f6.3 | ISO 1000 | 1/2000 Sek.

Dynamikumfang und Rauschverhalten

Sony Sensoren sind ja für ihren großen Dynamikumfang bekannt. Auch die A77 II macht hier meiner Meinung nach keine Ausnahme. Aus den Schatten und Lichtern der Bilder kriege ich in der Nachbearbeitung immer noch reichlich Bildinformationen rausgeholt. Diese Möglichkeit ist mir gerade bei meinen Landschaftsfotos sehr wichtig. Auch hier möchte ich ein paar Bilder für sich sprechen lassen:

Dynamikumfang Sony A77 II
Bild vor der Bearbeitung.
Sony A77 II Dynamikumfang
Bild nach der Bearbeitung.
Dynamikumfang Sony A77 II
Detailauschnitt: Das Bildrauschen ist nach Aufhellung der Tiefen sehr dezent.

Stichwort Bildrauschen: Bei 24 Megapixeln auf einem APS-C Sensor darf man keine High-ISO Fähigkeiten wie bei einer Vollformat Kamera erwarten. Dennoch bin ich sehr zufrieden und fotografiere ohne Bauchschmerzen bis ISO 2000. Im Urlaub habe ich bei schlechten Lichtverhältnissen Mauergeckos in Straßenlaternen bei ISO 4000 fotografiert und habe immer noch schöne Details der Tiere in den Bildern erkennen können. Klar sieht man bei solchen ISO-Werten Bildrauschen. Dieses bekommt man aber in der Nachbearbeitung noch gut in den Griff. Sofern das Motiv korrekt belichtet ist, ist Bildrauschen gar nicht so präsent, wie man meinen könnte. Zudem ist das Luminanzrauschen der A77 II sehr feinkörnig.

Bildrauschen Sony A77 II
Mauergecko bei ISO 4000…
Bildrauschen Sony A77 II
Eine Rauschreduzierung wurde nicht vorgenommen. Trotz der ISO 4000 sind noch Details des Geckos zu erkennen. Das Bildrauschen der Sony A77 II ist sehr feinkörnig.

Fazit

Wie fällt nach 8 Monaten Gebrauch mein Fazit zur Sony A77 II aus?
Auch wenn die Kamera seit guten 2 Jahren auf dem Markt ist, gehört sie noch längst nicht zum alten Eisen. Die Technik ist auch im Jahre 2016 ohne weiteres konkurrenzfähig mit vergleichbaren Kameras wie der Nikon D7200, der Canon 80D oder einer Pentax K3 II. Wer auf der Suche nach einer actiontauglichen Kamera für Sport- und Wildlifefotografie ist, sollte sich ruhig auch mal die A77 II anschauen. Nachfolgend zähle ich noch einmal die wichtigsten Pros und Contras der Kamera auf:

Pro

  • Kamera liegt sehr gut in der Hand
  • Solide Bauweise und Wetterfestigkeit
  • Umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten
  • Gute Bedienbarkeit
  • Schwenkbares Display
  • Leistungsstarker und flotter Autofokus
  • Sehr schneller Serienbildmodus bei kontinuierlichem Autofokus
  • Sehr gute Bildqualität (hoher Dynamikumfang, detailreiche Bilder, gutes Rauschverhalten)

Contra

  • Eventuell etwas unübersichtliche Menügestaltung
  • WLAN Funktion in Verbindung mit PlayMemories Mobile ein Witz (fehlende Einstellungsmöglichkeiten)
  • Nur ein Speicherkartenslot
  • Durchschnittliche Akkuleistung

Ich versuche wie immer, diesen Beitrag auch zukünftig aktuell zu halten und werde neu gemachte Erfahrungen in den Bericht einfließen lassen. Sicherlich habe ich in diesem Erfahrungsbericht Details vergessen, die den einen oder anderen Leser interessieren könnten. Fragen können aber gerne über die Kommentarfunktion gestellt werden.

(*Amazon Affiliate Link – beim Kauf über diesen Link erhalte ich eine kleine Provision. Für den Käufer entstehen keine weiteren Kosten oder Nachteile.)

Advertisements

10 Kommentare zu „Acht Monate mit der Sony SLT A77 II – Erfahrungsbericht

  1. Schön, mal einen Erfahrungsbericht eines ganz „normalen“ Nutzers zu lesen. Professionelle Tests sind immer sehr theoretisch und man weiß auch nie, wie sehr eine Zeitschrift oder ein professioneller YouTube-Blogger von dem Hersteller gesponsert ist.
    Grüße
    Marco

    Gefällt mir

  2. Hallo Patrick
    danke für diesen Artikel. Auch wenn ich aus dem Nikon Lager komme, es ist doch immer auch spannend über andere Marken zu lesen, speziell Erfahrungsberichte. Leider fehlt mir die Zeit, jeweils so tolle ausführliche Berichte zu schreiben.
    Liebe Grüsse aus der CH, Thee

    Gefällt mir

    1. Dankeschön Thee! Ich lese selber auch immer gerne über Kameras anderer Hersteller, da ich Kameratechnik an sich sehr interessant finde. Heutzutage ist man ja auch mit wirklich hervorragender Technik auch im Einsteigerbereich gesegnet. Mich würde ja auch mal ein Bericht von dir zur D500 interessieren 😉 Aber ja, so ein Bericht kostet Zeit, will man sich Mühe geben! In der Zeit könnte man dann auch einfach raus gehen und fotografieren!
      Beste Grüße,
      Patrick

      Gefällt 1 Person

      1. Patrick, ich wüsste nicht was schreiben. Die Cam wurde zur Cam des Jahres gewählt aber mich haut sie nicht vom Hocker. Speziell das Rauschverhalten finde ich grässlich. Möchte sie gerne abstossen aber brauche einen 2. Body für die Kapverdischen Inseln. Was ich sagen kann, die D5 ist super. Wahnsinnig schnell und mit den Iso kannst du ziemlich hoch. Das Schnellfeuer ist gewaltig. Und die XQD Karten schreiben extrem schnell. Auch die Linse 200-500 reisst mich nicht vom Hocker. Muss ev. mal beides zu Nikon bringen.
        in der Tat komme ich zur Zeit zu nichts. Gestalte ein Buch in grafischer Hinsicht mit Design etc und noch andere Projekte. Aber eben Vorfreude auf Vögel auf Cap Verde
        schönen Abend. LG Thee

        Gefällt mir

  3. Hallo! Ein sehr schöner Erfahrungsbericht.
    Ich habe mir diese Kamera vor einigen Monaten zugelegt und komme noch nicht so recht klar mit ihr. Jetzt wollte ich die drei Speicher auf dem Einstellrad belegen. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei Nutzung einer gespeicherten Einstellung das Rad für die Blende andersherum gedreht werden muss und dass nach Nutzung der FN-Taste die Blende auf den Minimalwert zurück springt.
    Leider finde ich bei all den im Internet vorhandenen Test-Berichten nichts zu den Erfahrungen mit den benutzerbezogenen Voreinstellungen.
    Haben Sie hierzu nützliche Erkenntnisse hierzu?
    Mit besten Grüßen, Sandra

    Gefällt mir

    1. Hallo Sandra,

      ich habe das gerade mal bei mir ausprobiert. Ich habe mir auf Speicherplatz 1 Serienbildmodus, ISO Automatik und kontinuierlichen Autofokus bei Blendenpriorität gelegt. Allerdings kann ich das von dir beschriebene Problem nicht beobachten. Ist deine Firmware auf dem aktuellsten Stand? Im Zweifel würde ich versuchen, diese einmal zu aktualisieren -> https://www.sony.de/support/de/content/cnt-dwnl/prd-dime/sony-ilca77m2-firmware-update-ver2_00-win/ILCA-77M2

      Welche Einstellungen hast du denn vorgenommen? Vielleicht kann ich diese bei mir mal reproduzieren und schauen, ob das Problem dann auch bei mir auftritt?!

      Beste Grüße,
      Patrick

      Gefällt mir

  4. Hallo Patrick,
    vielen Dank für den ausführlichen Bericht, ich kann ihn im Wesentlichen bestätigen. Eine Anmerkung:
    der Akku-Verbrauch wird nicht dadurch geringer, dass Du den Monitor einklappst, im Gegeneteil, der Verbrauch des Suchers ist verblüffenderweise größer! Gruß Claus

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s