Foto(s) der Woche #15 – Fotos vom Westensee und ein kleines Making of…

Von Schildern, Wolken und anderen Hindernissen beim Fotografieren – eine kleine fotografische Reise zum Westensee.

Zumindest vom Kalender her ist auch in Schleswig-Holstein der Sommer angekommen. Nur das Wetter scheint das nicht mitbekommen zu haben und macht eher einen auf April.
Laut Wetterbericht vom 2.7.2016 sollte jedoch gegen Abend hin die Wolkendecke aufreißen und der Blick auf unser Zentralgestirn frei werden. „Prima“ dachte ich mir und buchte kurzerhand ein Auto, um mal wieder zu meiner Lieblingsbeschäftigung, der Fotografie, zu kommen. Ein schönes Foto vom Sonnenuntergang am Westensee, so ganz klassisch an einem Steg, das schwebte mir vor.
Also ging es zum „Location Scouting“ auf Google Maps und The Photographer´s Ephemeris.

 

Westensee
Der Westensee.

Über die Satellitenbilder hatte ich recht schnell eine Stelle ausgemacht, die mir für mein Vorhaben passend erschien. Nun also schnell das Fotoequipment zusammengepackt und auf ging´s zum Kieler Hauptbahnhof, um das Auto abzuholen.

Mein Werkzeug.

Der Himmel über Kiel versprach noch nichts Gutes. Als ich dann im Auto saß, fing es, typisch Kiel, an zu regnen. Egal Patrick – nach Regen kommt Sonnenschein, sagte ich zu mir. In der Tat können die Sonnenuntergänge nach Regenfällen ja besonders spektakulär sein.
Also erstmal los. Da ich ausreichend Zeit eingeplant hatte, sollte es vorher nochmal in ein Moor gehen, um nach Schlingnattern und anderen beinlosen Gesellen zu schauen. Gerade erst vor ein paar Wochen gelang mir in besagtem Moor ein Schlingnatterfund, der insofern äußerst erfreulich war, als dass es im Gebiet zwei Brandstiftungen gab. Diese waren sicherlich nicht förderlich für die dortige Reptilienfauna und Schlingnatterfunde ließen dort in diesem Jahr bis zu meinem Fund auf sich warten. Entspannt und guter Dinge fuhr ich los. Und siehe da – auf dem Weg zu meinem ersten Ziel fing die Sonne an, sich durch die Wolkendecke zu kämpfen. Die nasse Fahrbahn fing stellenweise vom verdunstenden Regen an zu dampfen und das reflektierende Sonnenlicht auf dem Asphalt blendete mich. Gegen 18 Uhr kam ich zunächst am Moor an.

Moor
Das Moor. Das Bild selber wurde bereits im Mai diesen Jahres geschossen. Sony RX100 // f4.5 // 10 mm (28 mm KB) // ISO125 // 1/500 Sek.

Die hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit der warmen Sonne sollte sicherlich das eine oder andere Reptil aus seinem Versteck locken. Und so war es dann auch – zwei Kreuzottern ließen sich während meiner kurzen Moorexkursion blicken. Nur von der extrem schwer nachzuweisenden Schlingnatter fand sich diesmal, auch unter den extra für diese Art ausgelegten Verstecken, keine Spur. Anbei mal ein Foto vom Jungtier, das ich ein paar Wochen zuvor gefunden und zu Identifikationszwecken kurzzeitig (mit Genehmigung) gefangen hatte:

Schlingnatter
Junge Schlingnatter.

Nun ja – eigentliches Ziel dieses Abends war ja der Sonnenuntergang am Westensee. Bevor ich die Zeit aus den Augen verlor, machte ich mich auf zu meiner zuvor auserkorenen Location.

Gegen halb 8 stellte ich den Wagen ab und ging die letzten Meter zu Fuß Richtung Seeufer an die Stelle, auf denen ich per Satellitenbild einen kleinen Steg ausmachen konnte. Recht schnell fand ich die Stelle.
Was sich auf dem Satellitenbild natürlich nicht erkennen ließ: Ein hässliches Schild, das vor den Gefahren von Kopfsprüngen in das flache Wasser warnte, verunstaltete den kleinen Steg und passte so gar nicht in meine Bildidee. Muss man denn wirklich auch auf die selbstverständlichsten Dinge mit so unansehnlichen Schildern hinweisen?! Wer auch immer sich das ausgedacht hat – er ist kein Fotograf 🙂

Haida Filter
Haida Grauverlaufs- und ND-Filter an der Sony A77 II.

Nun ja, es galt, das Beste aus der Situation zu machen. Etwa zwei Stunden Zeit hatte ich, um verschiedene Bildkompositionen auszuprobieren, bis dann gegen 21:54 Uhr die Sonne untergehen würde. Einige Wolken glitten langsam am Himmel entlang. Also kam mir zunächst eine Langzeitbelichtung in den Sinn, die ich aufgrund des noch relativ harten Lichts in schwarz-weiß konvertieren würde. Daher schnappte ich mir mein Filterset mit Graverlaufs- und ND-Filter. Der Grauverlaufsfilter sollte mir helfen, den helleren Bereich im Himmel etwas abzudunkeln und so die schwierige Lichtsituation in den Griff zu kriegen. Mein 3.0 Haida ND-Filter reduziert die Lichtmenge um 10 Blendenstufen bzw. verlängert die Belichtungszeit um das 1000fache. Hat man also ohne ND-Filter z.B. eine optimale Belichtungszeit von 1/100 Sekunde, so erhält man mit dem Filter eine Belichtungszeit von 10 Sekunden. Eine gute Zusammenfassung zur Verwendung von Graufiltern sowie der korrekten Ermittlung der Belichtungszeit findest du beispielsweise hier.

Leider habe ich auch mit Grauverlaufsfilter im finalen Bild eine „ausgefressene“ Stelle im Himmel erhalten. Dennoch möchte ich euch das Ergebnis nicht vorenthalten:

Langzeitbelichtung Westensee
Steg am Westensee. Sony A77 II // 10mm // f13 // ISO100 // 103 Sek.
Steg Westensee Fotografie
Der neu gewählte Aufnahmestandpunkt.

Langsam wurde das Licht interessanter während die Sonne sich dem Horizont näherte. Gleich würde ich paar schöne Fotos vom Sonnenuntergang bekommen. Denkste! Dicke Wolken fingen an, sich vor die Sonne zu schieben und nur noch vereinzelt ließ sich der große Feuerball und Lebensspender blicken. Sich darüber aufregen brachte aber natürlich auch nichts und so experimentierte ich weiter ein wenig mit der Bildgestaltung. Ein paar Schritte zurück und ich bekam die Blätter und Äste eines Baumes als interessante Rahmung ins Bild. Eigentlich kein großer Freund von HDRs, machte ich nun Belichtungsreihen (ohne den ND-Filter) aus 3 Fotos, um diese später in Lightroom CC zu einem Bild zusammen zu fügen und die schwierige Gegenlichtsituation so in den Griff zu kriegen. Gelegentlich haben HDR Fotos, wenn technisch sauber gemacht, dann doch ihren Nutzen und Berechtigung. Gemeinhin verbindet man HDRs ja heute leider mit völlig übersättigten Bildern… Die Vorgehensweise beim Zusammenfügen der Bilder sowie das Ergebnis zeige ich in den folgenden Bildern:

HDR Lightroom CC
1.) Die gewünschten Bilder aus der Belichtungsreihe auswählen (in diesem Falle habe ich mich dann doch nur für 2 Bilder entschieden).
Lightroom CC HDR
2.) Rechtsklick und dann „Zusammenfügen von Fotos“ -> „HDR“ auswählen.
Lightroom CC HDR
3.) Ggf. weitere Einstellungen vornehmen und auf „Zusammenfügen“ klicken.

Hier mal das (sicherlich nicht perfekte) Endergebnis. Ich werde diese nützliche Funktion in Zukunft gerne häufiger nutzen…

HDR Steg Westensee
Steg am Westensee mit blöden Schildern. HDR aus Belichtungsreihe. Sony A77 II // 10 mm // ISO100 // f16

Kurz vor vollständigem Sonnenuntergang hatte das Wetter dann ganz kurz Mitleid mit dem Fotografen am Steg und lies noch einmal die Sonne durch die Wolken scheinen. Kurz zuvor hatte mich allerdings ein Regenschauer veranlasst, hastig das Equipment einzupacken. Also musste ich mich nochmal beeilen und die Kamera auspacken und auf das Stativ montieren. Im letzten Licht des Tages kam ich dann zum folgenden Foto, das klassisch ohne Filter oder Belichtungsreihe entstand:

Sonnenuntergang Westensee
Sonnenuntergang am Westensee, wieder mit hässlichem Schild. Sony A77 II // 10 mm // f16 // ISO100 // 2,5 Sek.

Leider habe ich an diesem Abend nicht ganz meine Bildidee umsetzen können. Wolken und ein hässliches Schild haben mir da ein Strich durch die Rechnung gemacht. Vielleicht ein anderes Mal an anderer Stelle…

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19 Kommentare zu „Foto(s) der Woche #15 – Fotos vom Westensee und ein kleines Making of…

  1. Hi Patrick
    tolle Aufnahme, bin ein Fan von Langzeit am Wasser. Manchmal in Farbe, aber auch sehr gerne b/w, tolle Location. Auch Geschichten von deinen Schlangen, immer willkommen. Schaffe einfach nicht mehr als die Ringelnatter. Aber vielleicht habe ich mal im Gebirge Glück für eine Kreuzotter.

    LG Thee

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    1. Hallo Thee,
      danke für deinen Kommentar! B/W ist gerade bei an sich eher harten Lichtsituationen immer eine Möglichkeit finde ich. Der Westensee ist in der Tat eine schöne Location, dennoch finde ich aber, dass hier im Norden in SH für die wirklich spannende Landschaftsfotografie wirkliche Blickfänge wie Berge o.ä. fehlen. Aber vielleicht habe ich mich auch einfach noch nicht genug gesucht und versucht. Dennoch hat man es in der Schweiz da sicherlich einfacher 😉 Dir viel Glück und gut Licht für deine nächsten Ausflüge!
      LG
      Patrick

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      1. Bin ja bald im Archipelago Mingan in Canada wo es skurrile Monolithen Landschaften gibt. super geeignet für Langzeit zumal ja der St. lawrence vorbeifliesst. Resp. Dort fängt der Ästuar an, quasi wie Meer. Hoffe auf ein bisschen Wolkendrama.
        LG Thee

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    1. Hallo Viktoria,
      dankeschön zunächst! Ich hatte überlegt, die Schilder zu stempeln, da sie einfach Unruhe ins Bild bringen. Aber das gescheit hinzukriegen, ohne das es auffällt, ist wohl sehr arbeitsintensiv… Ich muss mich einfach nach einer neuen Stelle umschauen!
      LG
      Patrick

      P.S.: HDR ist in der Tat eine interessante Möglichkeit, die ich zuvor nie so wirklich in Betracht gezogen habe. Ich musste halt immer an Fotos denken, die an Clownskotze erinnern 🙂 Das hat natürlich mit HDR im ursprünglichen Sinne nichts zu tun.

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  2. Hey mein Lieber,

    toller Blog Eintrag! Weiß gar nicht ob ich es erwähnt habe, aber meine Tamron 150-600 Linse hat ordentlich Schimmel angesetzt: Fazit unbrauchbar! Gott sei Dank covert es die Versicherung – da wird einem nochmal klar, wie wichtig die Kameraversicherung ist.. Auch wenn P&P jetzt tatsächlich die Selbstbeteiligung von 50 Euro auf 250 Euro steigern will, weil ich zuviel Schäden hätte.. Das ist schade, denn ich war immer ein großer Fan dieser versicherung und sie scheint nur Leute zu mögen, die brav die Beiträge zahlen und keine Schadensfälle haben… Na ja, wollt eigentlich nur sagen, pass gut auf auf deine schönen Linsen – gerade in den Tropen geht das echt schnell mit dem Schimmel (bei mir hat es gleich zwei Linsen erwischt: Nikon 85mm 1.8 (noch nicht versichert) plus die Tamron).

    Wann wäre die beste zeit mal nach Kiel zu kommen um eine schöne Fototour zu machen? ich geb am 2. August meine Masterarbeit ab 🙂

    Beste Grüße,

    Tom

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    1. Hey Tom,
      schön von dir zu hören! Da sagst du was mit der Kameraversicherung – die wollt ich unbedingt noch abschließen, bevor ich mit meiner Freundin nach Italien fahre! Das ist j aecht mega ärgerlich mit dem Schimmel! Und wenn dann noch die Versicherung rummuckt…
      Also theoretisch passt das Wochenende (oder evtl der Do. und Fr.) nach deiner Abgabe. Das hängt nur davon ab, wie ich Dienst habe. Das klärt sich aber bald und dann kann ich dir gerne bescheid sagen! Ansonsten ginge es auch super im September – da ist nochmal ne gute Zeit um die jungen, diesjährigen Schlingnattern zu finden 😉 Also da bin ich flexibel! Sag doch einfach mal bescheid, was dir am besten passt.
      Liebe Grüße und noch viel Erfolg mit der Thesis!
      Patrick

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  3. Moin Patrick,
    das sind doch schon sehr schöne Ergebnisse, klar, die eine ausgefressene Stelle würde mich auch etwas nerven, aber insgesamt ist das Bild wirklich toll geworden. Mir gefallen solche Wolkenspuren, das bringt immer eine tolle Dynamik ist Bild.
    Den HDR Trick werde ich auch einmal versuchen. Ich hab’s bisher immer vermieden, weil die meisten Ergebnisse im Web da eher abschreckend wirken. Deine Variante gefällt mir wirklich sehr, es wirkt natürlich und nicht so geisterhaft.
    Danke für diesen Input!
    LG kiki

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    1. Danke für deinen netten Kommentar! Insgesamt bin ich ja auch recht zufrieden, es fehlt halt nur der letzte Schliff 🙂 Aber ich übe ja noch! Die HDR Funktion über Lightroom ist wirklich ein tolles Feature für die Landschaftsfotografie, erfordert allerdings nur etwas Rechenpower. Meinen Rechner muss während des Zusammenfügens der Bilder erstmal in Ruhe lassen, sonst will er nicht 😉
      Liebe Grüße,
      Patrick

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  4. Tolle Bilder! Gerade wenn der Steg so schön mittig ist, nervt aber so ein Schild höllisch. Ich finde es übrigens spannend, dass die Sonne auf einem Bild im Wasser deutlicher zu sehen ist als am Himmel, ist das dann der Filter, den du verwendet hast oder einfach der Schwierigkeit beim Belichten geschuldet?

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    1. Dankeschön 🙂
      Das die Sonne im Wasser deutlicher zu sehen ist, liegt wohl daran, dass sie in der Reflektion nicht ganz so stark leuchtet und daher auch die Stelle auf dem Bild nicht so stark ausgesfressen ist. Hätte ich länger belichtet, sähe das auch im Wasser noch anders aus, denke ich! Der Verlaufsfilter selber lag ja über der „echten“ Sonne, war aber nicht stark genug um ein ausreißen der Lichter zu verhindern. Evtl. hätte ich hier einen zweiten Verlaufsfilter einsetzen müssen oder aber eine Belichtungsreihe erstellen müssen und die Bilder über Lightroom zu einem zusammenfügen. Liebe Grüße und einen schönen Abend wünsche ich dir,
      Patrick

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