Milchstraßenfotografie – Meine ersten Erfahrungen

Angenehm warme Temperaturen auch an der Küste, keine Wolken am Himmel und Neumond – ideale Voraussetzungen, um die Milchstraße zu fotografieren. Da dachte ich mir, nutze ich doch mal die Gelegenheit und probiere mich in dieser Disziplin. Hier nun die Resultate der vergangenen Nacht und ein paar Sätze zu meinen ersten Gehversuchen in der Sternenfotografie.

Die richtige Location

Die Milchstraßenfotografie erfreut sich ja großer Beliebtheit bei Natur- und Landschaftsfotografen. Auch ich finde das Thema interessant und gestern war es dann soweit. Alle wichtigen Voraussetzungen waren, wie einleitend geschrieben, gegeben.

Nun war es wichtig, eine Region mit relativ wenig Lichtverschmutzung zu finden – ebenfalls elementar in der Milchstraßenfotografie, denn andernfalls würde das relativ schwache Licht der Sterne überlagert durch Stadtlichter. Im dicht besiedelten Deutschland sicherlich nicht ganz einfach. Ein Blick auf diese Karte bestärkte meine erste Idee: Die Ostsee Steilküste bei Schwedeneck sollte es sein. Diese liegt zwischen Kiel und Eckernförde und lässt einen relativ klaren Blick auf unsere Galaxie zu.

Die richtige Uhrzeit 

Gegen 23:45 ging es mit dem Auto von der Kieler Innenstadt gen Ostseeküste. Wann die Milchstraße wo zu sehen sein sollte, konnte ich vorher nicht genau in Erfahrung bringen, da die Aktion recht spontan war. Für Android und IOS gibt es jedoch nützliche Apps (Sun Surveyor, PhotoPills), die dem Fotografen bei dieser Aufgabe helfen. Doof nur, wenn man wie ich ein Windows Phone hat… Wer kennt hier Alternativen? Ich wusste jedoch, dass jetzt im Mai die Zeit zwischen 1 und 4 Uhr gut geeignet sein sollte, um die Milchstraße zu sehen.

Die ersten Gehversuche

An der Küste angekommen, wurden wir mit einem für mitteleuropäische Verhältnisse tollen Sternenhimmel belohnt – und auch das helle Zentrum unserer Galaxie war gut zu erkennen. Also Kamera auf das Stativ geschraubt und einen geeigneten Aufnahmestandpunkt gesucht. Problematisch war nur, dass mein Sigma Ultraweitwinkel Objektiv eine maximale Offenblende von f4 bei 10mm Brennweite hat. Das macht die Bildgestaltung bei extremer Dunkelheit sehr schwer. Selbst im elektronischen Sucher meiner Sony A77 II war nur schwerlich etwas zu erkennen. Hier sind lichtstarke Weitwinkel Objektive (f2.8 oder mehr) im Vorteil. Also positionierte ich die Kamera grob so, dass ich viel Himmel und etwas Silhouette der Steilküste im Bild haben würde.

Milchstraße fotografieren
Milchstraße über der Ostsee. Sony A77 II // 10mm // f4 // ISO 2000 // 30 Sek.

Um zu fokussieren, wollte ich eigentlich einen besonders hellen Stern mit der Lupenfunktion im Liveview scharf stellen. Da aber das Sucherbild bzw. das Monitorbild so dunkel war, war dies kaum möglich. Also nahm ich die Lichter des Küstenorts Laboe in den Fokus. Nicht immer ist es nämlich akkurat genug, den Fokusring des Objektives einfach auf Unendlich zu stellen (auch wenn dies letzten Endes in meinem Falle gut funktionierte). Zu den Kameraeinstellungen:

  • Um die ISO so gering wie möglich zu halten, sollte das Objektiv so offenblendig wie möglich genutzt werden. In meinem Falle war dies eine Blende von f4.
  • Dennoch kam ich um die Verwendung von ISO 2000 nicht herum (auch ISO 3200 kann unter Umständen nötig sein), da die Verschlusszeit nicht zu lang sein darf. Die Verwendung lichtstarker Objektive ist hier natürlich ein klarer Vorteil. Eine Offenblende von f2.8 hätte mir bspw. erlaubt die ISO auf ISO 1000 zu reduzieren.
  • Stichwort Verschlusszeit: Die maximal mögliche Verschlusszeit in der Sternenfotografie, bei der die Sterne (aufgrund der Erdrotation) noch punktförmig abgebildet werden, lässt sich grob durch die Faustformel 500/Brennweite (bei Vollformatsensor) bzw. 300/Brennweite (bei APS-C Sensor) errechnen. In meinem Fall ergab das bei 10mm eine Belichtungszeit von 30 Sekunden.
  • Fotografieren solltet ihr immer in RAW – Solche Fotos der Milchstraße benötigen immer eine Nachbearbeitung.
Milchstraße Schleswig-Holstein
Milchstraße über Schleswig-Holstein. Sony A77 II // 10mm // f4 // ISO 2000 // 30 Sek.

Darüber hinaus heißt es einfach, mit Einstellungen und Kamerapostionen zu experimentieren und selber herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Über den Abend habe ich immer wieder die Position und Höhe des Stativs gewechselt, habe den Vordergrund während der Belichtung mal kurzzeitig mit einer Taschenlampe aufgehellt und dann beim nächsten Mal wiederum dunkel gelassen. Gerade dieses Experimentieren hat in meinen Augen den größten Lerneffekt und bereitet ja auch Freude. Verlasst euch nicht stur auf irgendwelche Tutorials durch Blogger, die euch Ratschläge geben wollen 😉

Von den Ergebnissen nicht enttäuscht sein

Sicherlich habt ihr jetzt spektakulär dramatische Aufnahmen unserer Galaxie im Kopf. Beim Importieren der RAW-Aufnahme in Lightroom folgt dann ersteinmal Ernüchterung. Die Milchstraßenfotos müssen optimiert werden und das ist auch legitim! Es geht ja darum, im Foto eure Eindrücke des Abends zu transportieren. Da ein Foto immer nur ein zweidimensionales Abbild der viel beeindruckenderen Realität ist, muss diese auf dem Bild akzentuiert betont werden, um zu wirken.

Milchstraße Foto bearbeiten.
Vor und nach der Bearbeitung.

Auch in der Bearbeitung heißt es, ein wenig zu experimentieren, um zu lernen, was funktioniert und was nicht. Grundsätzlich kommt ihr um einen nachträglichen Weißabgleich (in den kühleren Bereich) und Anpassungen bei den Kontrast- und Klarheitreglern nicht herum. Gerade letzterer hat bei meinen Fotos die Milchstraße im Bild hervorgehoben. Auch die Lichter solltet ihr etwas hochdrehen. Desweiteren können Verlaufsfilter helfen, die Milchstraße zu betonen. Abschließend führe ich immer eine Schärfung sowie Rauschreduzierung durch. Diese solltet ihr jedoch auch nicht übertreiben, da sonst zu viele Details im Foto glatt gebügelt werden.
Das wichtigste jedoch ist, dass euch das Ergebnis gefällt!

Fazit

Meine hier gezeigten Bilder sind meine ersten Gehversuche in der Sternenfotografie. Zweifellos gibt es gestalterisch und technisch viel Verbesserungspotential. Aber dieser Lernprozess und das nächtliche Draußensein in der Natur machen mir unglaublich Spaß.

Mein Tipp: Verlasst jetzt in diesen warmen und wolkenfreien Tagen mal die nächtliche Komfortzone und fahrt für ein paar Stunden an eine abgelegene Stelle. Kombiniert dies mit einer kleinen Milchstraßen Fotosession und genießt es. Experimentiert und kommt dann hoffentlich mit dem einen oder anderen netten Foto sowie tollen Eindrücken nach Hause!

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13 Kommentare zu „Milchstraßenfotografie – Meine ersten Erfahrungen

  1. Hallo Patrick
    toll, du wagst dich an eine neue Herausforderung. Wie du beschreibst, es erfordert viel Vorbereitung. Da hast du sicher alles richtig gemacht.
    Wie du auch schreibst, gestalterisch lässt sich da sicher noch einiges machen. Aber für den ersten Versuch ist das doch schon ganz toll, Hut ab. Zuerst musstest du dich ja mit anderen Wichtigkeiten auseinandersetzen.
    Mir fällt inzwischen das frühe Aufstehen ringer als nachts nochmals raus zu gehen. Obwohl mich solche Bilder auch immer gereizt haben.
    Bin also gespannt auf die nächsten Galaxien 😀

    Grüsse aus der CH, Thee

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    1. Hallo Thee,
      danke für deinen Kommentar!
      Ich war eigentlich auch schon müde, da mein Rhythmus mittlerweile der eines Frühaufstehers ist. Normalerweise liege ich dann um 1 Uhr nachts längst in den Federn 🙂 Aber manchmal muss ich eben raus aus der Komfortzone.
      Dir liebe Grüße und viel Spaß mit der D500 😉 ,
      Patrick

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    1. Dann raus aus der Komfortzone und beim nächsten Neumond und wolkenfreien Himmel raus in die Natur 😉 Wichtig ist, dass man einfach rumprobiert. Die ersten Ergebnisse sind selten überragend. Ich werde auch noch vieel üben (müssen).
      Danke für deinen Kommentar und einen schönen Abend!
      Patrick

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  2. Hallo Patrick,
    Dein Artikel ist echt angenehm zu lesen. Hat mir Freude bereitet und mich an meine ersten Gehversuche bei der nächtlichen Fotografie erinnert.
    Für den ersten Versuch ist das ein gutes Ergebnis. Meine ersten Bilder sahen ähnlich aus.
    Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass in den Rohdaten Deiner Aufnahme noch einiges an Information versteckt ist. Es wirkt insgesamt etwas dunkel. Wenn Du das Bild in einigen Monaten (mit mehr Erfahrung) nochmals neu entwickelst, wirst Du wahrscheinlich noch einge ganze Menge herausholen können.

    Schön das Du schreibst: „raus aus der Komportzone und ab in die Natur!“
    Das ist genau die richtige Einstellung. Denn eine Nacht unter einem sternenbedeckten Himmel bietet so viele tolle Eindrücke, die es wert sind erlebt zu werden. Diese spezielle Stimmung ist fast schon alleine Grund genug ‚einfach mal raus‘ zu gehen.

    Viel Spaß und Erfolg!
    Adam

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    1. Hallo Adam,

      danke für deinen netten Kommentar!
      Ich habe viel mit den RAW Dateien rumprobiert. In den Tiefen fehlt leider einfach gänzlich Zeichnung. Auch beim Aufhellen der dunklen Regionen bleibt es da dunkel 🙂 Ein lichtstarkes Weitwinkel würde mir hier sicherlich noch helfen, bei gleicher Belichtungszeit noch mehr Bildinformationen einzufangen. Ich habe bei einigen Fotos auch ein wenig mit der Taschenlampe/LED-Leuchte rumprobiert, um den Vordergrund aufzuhellen. Die Ergebnisse sagten mir aber noch nicht so zu. Mit der Aufarbeitung von RAW Dateien selber bin ich mittlerweile recht fit. Bei der Milchstraßenfotografie muss ich einfach weiter viel rumprobieren, insbesondere bei der Vordergrundgestaltung. Der Sommer wird mir sicherlich noch viel Gelegenheiten bieten 🙂

      Beste Grüße,
      Patrick

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      1. Als lichtstarkes WW-Objektiv kann ich Dir voller Überzeugung das Walimex/Samyang 14mm 2.8 ans Herz legen (Canon/Nikon/Sony, FullFrame und Crop). Preis/Leistung stimmt da voll und ganz.

        Wenn es Dich interessiert, dann kannst Du hier ein paar Nachthimmel- und Milchstraßenbilder sehen. Einige wurden mit genau diesem Objektiv aufgenommen.
        http://projektname-positiv.de/milchstrassen-panorama-mit-karwendelblick/

        Dieser Zeitraffer wurde ebenfalls mit dem Samyang 14mm fotografiert:

        Hinsichtlich „Sommer und Gelegenheiten:“
        Die ideale Zeit wäre genau jetzt! bis nächstes WE. Denn da ist die Milchstraße (bzw. das fantastisch leuchtende Zentrum) noch zu einer Zeit zu sehen, zu der es richtig dunkel ist (nach Mitternacht).
        Beim nächsten Neumond im Juli wird es bei Dir im Norden überhaupt nicht mehr richtig dunkel – das merkt man bei den Fotos. Juli und August siond zwar schön warm, aber (im Norden) einfach nicht mehr 100% dunkel.
        Wirklich gut wird es dann wieder ab September: Es gibt erneut dunkle Nächte und die Milchstraße erscheint bereits direkt nach Sonnenuntergang.

        Viel Spaß unter dem Sternenhimmel!
        Adam

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