Vogelfotografie – Tipps und meine ersten Erfahrungen

Vor einiger Zeit habe ich ja bereits einen Artikel über meine Erfahrungen in der Landschaftsfotografie geschrieben. Heute würde ich gerne meine ersten Erfahrungen in der Vogelfotografie teilen, mit der ich mich seit einigen Wochen gezielter beschäftige. Ich hoffe, dass auch hier der eine oder andere Leser etwas für sich mitnehmen kann.

Der Kauf meines neuen Teleobjektivs, des Tamron 150-600mm, zielte darauf ab, mein naturfotografisches Spektrum zu erweitern. Zuvor war ich mit meinen maximal 300mm Brennweite recht limitiert. Für meine so heiß geliebte Reptilienfotografie waren diese 300mm in der Regel zwar mehr als ausreichend aber andere Tiergruppen wollen sich hier in Mitteleuropa damit meist nicht ausreichend ablichten lassen.
Während meines Studiums führten wir einige ornithologische Exkursionen durch. Damals fing ich an, mich ein wenig mehr für die heimische Vogelfauna zu interessieren, die hier in Schleswig-Holstein doch einiges zu bieten hat.
Auch wenn mein ornithologisches Wissen momentan noch sehr begrenzt ist, habe ich mir vorgenommen, mich mehr mit Vögeln als fotografisches Motiv zu beschäftigen.

Vorbereitung

Auch in dieser Teildisziplin der Fotografie gilt wieder: Vorbereitung ist enorm wichtig für gute Resultate. Zwar kann man auch auf gut Glück losziehen und hoffen, dass einem etwas Interessantes vor die Linse fliegt. Erfolgversprechender ist es aber, sich vorher Gedanken zu machen, welche Art/-en man fotografieren möchte. Der nächste logische Schritt ist dann natürlich in Erfahrung zu bringen, wann und wo ich diese Art finden kann. Folgende Fragen können bei der Vorbereitung hilfreich sein:

  • Welches Habitat bevorzugt die gewünschte Art?
  • Wo finde ich diese Habitate (und sind diese auch für Menschen zugänglich)?
  • Welche Lebensgewohnheiten hat die gesuchte Art (Aktivitätszeiten u.ä.)?
  • Ist die Art eher scheu oder neugierig?

Ein wirklich guter Naturführer für den interessierten Laien ist das Buch „Was fliegt denn da?“ aus dem Kosmos-Verlag (ISBN 978-3-440-12488-8). Einerseits hilft er, gesichtete Arten zu bestimmen. Andererseits bietet er wichtige Informationen über Lebensgewohnheiten wie Brutzeiten oder Lebensräume der Vögel.

Eine generelle Bitte meinerseits, die auch unter Naturfotografen leider nicht selbstverständlich ist: Das Wohl des Tieres sollte immer an oberster Stelle stehen. Im Zweifel sollte man sich gegen ein Foto entscheiden, wenn es bedeuten würde, die Tiere für dieses massiv zu stören oder sogar ihren Nachwuchs zu gefährden. Gerade das Gebot, in Naturschutzgebieten auf den Wegen zu bleiben, hat man sich nicht zum Spaß ausgedacht (seltene Pflanzen werden zertreten, Bodenbrüter verschreckt, Gelege zertrampelt) …

Auch bei meinem gestrigen Ausflug zu den Sandregenpfeifern ins NSG Bottsand war an der Absperrung Schluss, obwohl dort eine Vielzahl an Limikolen (Watvögeln) zu sehen war.

Sandregenpfeifer NSG Bottsand
Sandregenpfeifer zwischen angeschwemmten Seegras.

Nun aber weiter im Programm.
Auch über das gewünschte Licht sollten wir uns natürlich Gedanken machen. Spannend wird dieses natürlich immer dann, wenn die Sonne tiefer steht und feine Strukturen beispielsweise in der Landschaft und auch im Gefieder des Fotomotivs betont. Auch hier empfehle ich (genau wie bei der Landschaftsfotografie) die App „The Photographers Ephemeris„. Mit dieser lässt sich wunderbar der genaue Stand der Sonne zu jeder Tageszeit und an jedem Ort der Welt vorhersagen.

Hilfreich kann es auch sein, sich grob ein Wunschbild der Zielart im Kopf auszumalen (Perspektive, Sonnenstand, Vorder- und Hintergrund) auch wenn es dann in der Realität meist anders kommt als vorgestellt 😉 . Aber wir fotografieren halt in der Natur und nicht im Zoo!
Mir schwebte gestern beispielsweise ein bodennahes Foto des Sandregenpfeifers zwischen den Kieseln am Strand vor. Idealerweise sollte er schön vor dem Meer im Hintergrund freigestellt sein. Es kam natürlich auch bei mir nicht wie erhofft! Dennoch hilft es, denn man läuft nicht gänzlich planlos im Gebiet umher und knipst wie ein Irrer, sondern man sondiert gezielt nach geeignet erscheinenden Stellen für den Aufbau der Kamera.

Geduld ist eine Tugend

Bringt Zeit mit! Und geht alleine oder mit einem Gleichgesinnten fotografieren! Auch eine hohe Frustrationstoleranz kommt dem erfolgreichen Fotografen sehr entgegen.

Gestern bei meiner Ankunft am Strand des NSG Bottsand war ich zunächst mal entmutigt. Es blies ein fast stürmischer und recht kalter Wind, der das Fotografieren in Bodennähe nicht einfacher macht. Und vom Sandregenpfeifer war auch nichts zu sehen. Aber es war mein erster gezielter Anlauf, eine bestimmte Vogelart zu fotografieren und die wollte ich mir so schnell nicht vermiesen lassen. Also habe ich mich zunächst ruhig in die Nähe der Dünen gesetzt und gewartet und beobachtet. Und es passierte… lange Zeit nichts. Da ich aber wusste, dass die kleinen Sandregenpfeifer hier leben, harrte ich aus. Und dann – im Augenwinkel vernahm ich eine Bewegung zwischen den Kieseln. Gut getarnt verriet ihn nur der leuchtend gelbe Schnabel. Ähnlich wie bei meinem fotografischen Steckenpferd, den Reptilien, galt es ein Auge für die Tiere zu entwickeln, die nur schwer auszumachen waren zwischen Treibgut, Sand und Steinen.

Sandregenpfeifer NSG Bottsand
Sandregenpfeifer.

Da die Entfernung zum Tier recht groß war, wollte ich etwas näher heran. Mir wurde aber schnell klar, dass die Fluchtdistanz der Sandregenpfeifer (genau wie die vieler anderer Vogelarten) zu groß war. Ich würde also warten und ruhig verharren müssen, bis die Tiere sich entschließen würden etwas näher zu kommen. Und dieser Plan ging auch einigermaßen auf. Sicherlich eine halbe Stunde bewegte ich mich bei beißend kaltem Seewind und umherfiegendem Sand in Bodennähe nicht vom Fleck. Dennoch war die Distanz auch für eine 600mm Brennweite am Ende nicht ausreichend gering, so dass ich ohne nachträgliches croppen des Fotos auskam.

Vogelfotografie
600mm Brennweite sind oft zu wenig.

Dennoch macht sich Geduld und etwas Leidensfähigkeit oft bezahlt. Nach längerer Zeit des Stillsitzens mit kalten Gliedern und eingeschlafenem Bein ließ sich in 3-4m Entfernung zu mir eine Gruppe von Zwergstrandläufern nieder, die eifrig begannen im Schlick nach Nahrung zu suchen.

Zwergstrandläufer NSG Bottsand
Zwergstrandläufer bei der Nahrungssuche.

Meine Take-Away-Message für diesen Abschnitt:

  • Verliere nicht die Geduld und beiße auch mal die Zähne zusammen, wenn es unbequem wird. Es zahlt sich oft aus.
  • Mache dir Gedanken um eventuelle Tarnung. In aller Regel ist die für Fotos, die über Schnappschüsse hinausgehen sollen, erforderlich. Es gibt hier einiges an kostengünstigen und -intensiven Möglichkeiten wie z.B. Tarnzelte (die jedoch oft Wochen im Voraus aufgestellt werden müssen – das geht längst nicht überall und bedarf u.U. einer Genehmigung), Tarnschals, Neoprencover für das Objektiv in Camouflagelook, Tarndecken und -jacken. Danke hier an Thee Ballmer Fotografie für ihre wertvollen Tipps!
    Eine andere Möglichkeit sind kommerzielle Ansitzhütten, die von einigen Personen auf ihrem Gelände angeboten werden. Hier sitzt man in der Regel den ganzen Tag in einem Versteck an und hat so sehr gute Möglichkeiten, Vögel aus guter Fotodistanz zu fotografieren.
    Unter diesen Möglichkeiten muss jedermann/-frau für sich selbst entscheiden, welche die Praktikabelste für ihn/sie ist.
  • Auch das Glück ist gelegentlich dein Freund. Unvorhergesehenes kann immer passieren und bietet dir dann spannende Fotomotive.

Technik und Equipment ist nicht alles…

… aber ohne geht es nicht.

Ohne Ausrüstung geht es nunmal nicht...
Ohne Ausrüstung geht es nunmal nicht…

Da Vögel meist sehr scheue Wesen sind, brauchst du eine lange Telebrennweite. Hier werden dir 300mm in der Regel nicht reichen. Ich persönlich würde wenigstens 500mm Brennweite empfehlen und selbst die können zu kurz sein, wenn du nicht gut getarnt bist. Hier wäre der Einsatz von Telekonvertern, welche die Brennweite von Objektiven verlängern (1,4x oder 2x), eine Option. Doch Vorsicht: Telekonverter reduzieren auch die maximale Lichtstärke eines Objektives. Bei Einsatz eines 2fach Telekonverters wird aus einer maximalen Offenblende von f5.6 nur noch eine Offenblende von f11. Das bedeutet dann im Zweifel, die ISO-Empfindlichkeit der Kamera zu erhöhen – mit all den bekannten Nachteilen.
Ich selber bevorzuge bei der Tierfotografie den Einsatz von Kameras mit sogenannten Crop-Sensoren (zumal ich ohnehin keine Kamera mit Vollformatsensor besitze 😉 ). Durch den kleineren Bildsensor dieser Kameras (meist APS-C oder Micro Four Thirds) entsteht der Eindruck einer Brennweitenverlängerung des Objektives. Das Motiv erscheint so näher. Auf diese Weise kann man sich unter Umständen in der Nachbearbeitung den Beschnitt des Bildes sparen.

Tamron 150-600 Sony
Sieht protzig aus, ist aber ein wichtiges Werkzeug: Das Teleobjektiv.

Eine Kamera mit schnellem Autofokus ist natürlich kein Muss für gute Vogelfotos, erleichtert dir die Arbeit aber ungemein, wenn die Action mal richtig losgeht. Vögel sind nunmal häufig sehr agile Lebewesen. Zu diesem Zwecke habe ich bei der Vogelfotografie meist den kontinuierlichen Autofokus (AF-C bei Sony) eingestellt. Dieser führt die Schärfe bei halb gedrücktem Auslöser permanent nach. Problematisch wurde es jedoch dann, wenn die gut getarnten und kleinen Sandregenpfeifer zwischen den Kieseln inne hielten. Der Autofokus wusste dann oft nicht, auf was er scharf stellen sollte. Da half dann entweder, den Autofokus auf Flexible Spot zu stellen, bei dem man gezielt den Autofokuspunkt auswählt, der über dem Motiv liegt (sofern es sich nicht zu schnell bewegt) oder aber manuelles fokussieren mit Hilfe der Lupenfunktion im Live View. Für die restliche Zeit habe ich das gesamte Fokusfeld aktiviert gelassen.
Fotografiert habe ich im Blendenprioritätsmodus (das A oder AV auf deinem Kamerawählrad). Da das Licht noch ordentlich war, konnte ich durchgehend bei ISO 250 fotografieren. Möglicherweise hätte sich bei schnell wechselnden Lichtverhältnissen die ISO-Automatik angeboten (diese würde ich aber je nach Kamera auf einen maximalen ISO-Wert von 2000 begrenzen). Bei der Wahl der Belichtungsmessung habe ich mich für Mehrfeldmessung entschieden. Hier hat die Kamera sehr gute Arbeit geleistet. Wären die Motive nicht so schnell und beweglich gewesen, wäre auch die Spotmessung eine Option gewesen.

Der beste Freund eines Naturfotografen ist ein robustes Stativ.
Wenn du mit langen Brennweiten fotografierst, dann solltest du zumindest ein Einbeinstativ (erlaubt etwas mehr Flexibilität) besser aber ein Dreibeinstativ verwenden. Stative reduzieren Verwacklungsunschärfe in Bildern massiv und lassen auch längere Belichtungszeiten zu. Was ich gestern besonders bei den flinken Strandläufern vermisst habe, war ein sogenannter Gimbal-Stativkopf (auch Kardankopf genannt). In horizontaler Richtung konnte ich den Bewegungen der kleinen Vögel einigermaßen folgen, wollte ich jedoch den Bildausschnitt schnell in vertikaler Richtung anpassen, kam der normale Kugelkopf an seine Grenzen. Denn dann musste ich die Feststellschraube des Kugelgelenks lösen, was das System aus schwerem Objektiv mit Kamera und dem verbundenen Kugelkopf instabil machte. Ein Gimbal-Stativkopf hätte mir sehr einfach Mitzieher in horizontaler UND vertikaler Richtung erlaubt. Leider ist meiner gerade noch auf dem Versandweg…

Nach 2 Stunden in kaltem Ostseewind gestern war ich langsam aber sicher durchgefroren. Es empfiehlt sich bei längerem Ansitzen wirklich sehr, wetterfeste und robuste Kleidung am Leib zu tragen, auch wenn die Temperaturen zunächst erträglich erscheinen. Wer sich nicht bewegt, kühlt auch bei 15 Grad Celsius irgendwann aus. Nehmt beim Ansitz im Freien eventuell eine Isomatte zum unterlegen mit (sofern ihr dafür neben Kamera und Stativ noch Platz habt 😉 ). Letzten Endes soll die Vogel- und Naturfotografie ja nicht Qualen sondern vor allem Freude bereiten.

Fazit

Die Vogelfotografie kann mitunter eine anstrengende und unbequeme Angelegenheit sein. Vorallem aber bietet sie, wenn mit Ausdauer betrieben, sehr spannende Einblicke in die Lebens- und Verhaltensweisen einer äußerst artenreichen Klasse von Tieren. Wichtig ist vorallem eine gute Vorbereitung und Geduld. Mitunter ist sie auch sehr Equipment-lastig, wenn professionelle Ergebnisse gewünscht sind. Ich selber stehe ganz am Anfang einer sicherlich sehr steilen Lernkurve in der Vogelfotografie. Ich freue mich aber darauf, die Herausforderungen anzupacken. Eines meiner fotografischen Großprojekte für dieses Jahr bleibt auf jeden Fall die Fotografie von Limikolen und hier insbesondere dem Sandregenpfeifer, der es mir irgendwie angetan hat!
Wenn du weitere Tipps zum Fotografieren von Vögeln hast, so schreib sie doch ruhig in die Kommentare!

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13 Kommentare zu „Vogelfotografie – Tipps und meine ersten Erfahrungen

  1. Ein lesenswerter Bericht mit schönen Bildern. Ich benutze zur objektiv Tarnung einen abgeschnittenen Ärmel eines alten grünen Pullovers – sehr preiswert. Manchmal hilft es auch sich Vögeln nicht auf direktem weg zu nähern und zu tun als interessierten sie einen nicht. Bin schon gespannt auf neue Berichte. Viele grüße fb

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  2. Hi Patrick
    ich lese, auch ein wenig auf den Vogel gekommen? Nun, ich fotografiere ja zu 80 % Vögel. Kann dir in den meisten Punkten zustimmen wie: Geduld und nochmals Geduld, Foto nur wenn es weder Natur noch die Tiere stört und recherchieren wenn man bestimmte Vögel will.
    Und theoretisch geht es bei jedem Wetter, man muss nur vorsorgen. Winter für mich kein Problem, man kann ja noch eine Schicht mehr anziehen. Im Sommer ist dann irgendwann Schluss mit ausziehen ,-) Daher gehe ich im Hochsommer bei über 30 ° C meistens frühmorgens, Siesta machen und ev. Abends nochmals raus. Bei starkem Wind wird es auch schwierig wenn es dann nur so am STativ rüttelt.
    Ich habe die Erfahrung gemacht dass ich nicht mal gross Tarnung brauche. Einfach ruhig irgendwo sitzen und warten genügt meistens. Irgendwann sind die Viecher neugierig oder sehen dass ihnen keinen Gefahr droht. Und ja, so ab 500 mm ist es günstig zumal einige Vögel ja winzig sind. Bei Enten geht es oft mit weniger da sie gross sind und die meisten sehr nahe kommen. Fotografie von flinken Vögeln kann schon mal an den Nerven zerren, sprich einige der Watvögel, Schwanzmeisen etc. Oder Baumfalken auf der Jagd 😀
    Das braucht noch mehr Geduld und üben üben üben. Aber wer nicht aufgibt wird eines Tages belohnt.
    Das wünsche auch dir. Du wohnst ja in einer super Gegend wo es Watvögel hat. Mein Neid ist dir gewiss 😉

    schönen Sonntagabend wünscht dir Thee

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    1. Nicht nur ein bisschen, Thee! Das tolle ist ja, dass man die gefiederten Gesellen praktisch überall findet. Und das in einer Artenfülle, die mir lange gar nicht bewusst war! Ich bleibe auf jeden Fall am Ball – mindestens ein Foto vom Sandregenpfeifer, mit dem ich 100%ig zufrieden bin, mache ich dieses Jahr noch 🙂 ! Dir auch einen schönen Abend!

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