Meine Erfahrungen mit der Sony RX100 Kompaktkamera

Üblicherweise, wenn ich raus gehe, um wirklich zu fotografieren ist für mich meine Spiegelreflexkamera (genauer meine SLT) ganz klar das Werkzeug der Wahl. Gelegentlich jedoch, wenn ich einfach ein wenig knipsen möchte (gerade wenn ich zu zweit unterwegs bin und nicht die Zeit und Ruhe für intensivere Fotografie habe) oder aber wenn ich bei meinen ehrenamtlichen Reptilienerfassungen Tiere zu Identifikationszwecken fotografiere,  ist mir eine große Kamera zu unhandlich. Aus diesem Grund habe ich mir im letzten Oktober nach längerer Recherche die kleine Edelkompakte RX100 von Sony zugelegt. Obwohl mittlerweile schon die 4. Version dieser Kamera mit sicherlich interessanten Features auf dem Markt erhältlich ist, habe ich mich für die auch weiterhin erhältliche erste Variante entschieden. Dies geschah vor allem aus Kostengründen.

Folgende Eigenschaften sollte die Kompaktkamera meiner Wahl haben:

  • Möglichkeit, im RAW Dateiformat zu fotografieren
  • einen vergleichsweise großen Bildsensor
  • ein lichtstarkes und scharfes Objektiv
  • tatsächliche Hosentaschentauglichkeit

Darüber hinaus war mir als Taucher die Verfügbarkeit von Unterwassergehäusen für die Kamera wichtig, nachdem ich meine alte Unterwasserfotografie Ausrüstung verkauft hatte und mit dem Gedanken spiele, mittelfristig mit einer leistungsstarken Kompakten Unterwasser zu fotografieren.

Ich hatte Kameras verschiedener Hersteller im Auge bzw. in der Hand:

  • Canon G7X bzw. G9X
  • Fujifilm X30
  • Panasonic LX7
  • Sony RX100 (I)

Letzten Endes war es eine Bauchentscheidung für die Sony RX100, denn alle genannten Modelle sind sicherlich sehr leistungsstarke Kompaktkameras. Mitunter mag auch die Tatsache, dass die RX100 sehr beliebt bei Unterwasserfotografen ist und dort sehr gute Ergebnisse liefern kann, eine Rolle bei meiner Entscheidung gespielt haben.
Wie dem auch sei – gerne möchte ich meine bisher mit dieser Kamera gemachten Erfahrungen und gewonnenen Eindrücke teilen.

Haptik/Ergonomie/Bedienung

Direkt beim ersten Anfassen der Kamera fällt einem das metallene und glatte Gehäuse auf. Das wirkt sehr wertig. Den einen oder anderen mag es aber sicherlich stören, dass die Kamera mitunter etwas leicht aus der Hand rutschen kann, da an der Vorderseite weder eine Gummierung noch ein Griff vorhanden sind. Ich für meinen Teil mag das schlichte Design der Kamera und da ich unterwegs immer die Handschlaufe nutze, ist sie mir bis dato auch noch nicht aus der Hand gefallen. Optional sind aber Handgriffe* von verschiedenen Anbietern verfügbar.

Sony RX100 Erfahrungen
Die Sony RX100

Am Objektiv selber ist ein Objektivring vorhanden, mit dem sich die Blende verstellen lässt oder aber manuell fokussiert werden kann. Wird er als Blendenring genutzt, stört es mich ein wenig, dass er stufenlos läuft und nicht bspw. nach jedem Blendenschritt einrastet. Ich nutze dafür meist aber ohnehin das Daumenrad auf der Rückseite der Kamera:

Sony RX100 Erfahrungen
Die Rückseite der Sony RX100

Das Daumenrad wirkt bei meinem Modell ein wenig klapprig, was im Gegensatz zu der sonst tadellosen Verarbeitung steht. Da ich schmale Finger besitze, komme ich mit den kleinen Knöpfen gut zurecht. Alle Knöpfe haben einen guten Druckpunkt.

Das Moduswahlrad lässt sich gut mit dem Daumen verstellen und rastet sauber ein. Das Drehen des Wahlrads bedarf ein klein wenig Kraft, so dass man es auch nicht aus Versehen verstellt.

Sony RX100
Die Oberseite der Kamera

Gut gefällt mir, dass sich die Tasten frei belegen lassen, so dass man alles nach den eigenen Wünschen konfigurieren kann. Desweiteren stehen 3 Speicherplätze zur Verfügung, auf denen man unterschiedliche Kameraeinstellungen speichern kann. Über das Moduswahlrad kann man dann diese Speicherplätze und die gemachten Einstellungen sehr schnell abrufen:

Sony RX100 Speicherabruf
Speicherabruf der Sony RX100

Wer die Sony Menüs der  Alpha Kameras kennt (wie ich), der findet sich auch in der Menüstruktur der Sony RX100 sehr schnell zurecht:

Menü Sony RX100
Das klassische Sony Kamera Menü

Der Bildschirm ist hochauflösend und kontrastreich und lässt sich auch bei sonnigem Wetter noch recht gut ablesen. Im Gegensatz zu den Nachfolgemodellen ist der Bildschirm bei der RX100 Mark I jedoch nicht neigbar. Auch besitzt sie keinen elektronischen Sucher wie die Mark III und IV. Mir persönlich war das nicht wichtig (auch wenn es gerade bei sehr hartem Licht sicherlich nützlich sein kann).

Soweit die ersten Eindrücke zur Ergonomie, Verarbeitung und Bedienbarkeit. Kommen wir zu dem mir persönlich am wichtigsten Teil – der Bildqualität.

Objektiv/Schärfe/ISO-Performance/Dynamikumfang

Gleich vorweg: Ich habe keine Labortests mit der Kamera gemacht, sondern ich zeige hier lediglich Beispiele aus der fotografischen Praxis mit der RX100. Laborwerte sind mir herzlich egal… also meistens zumindest 🙂

Auch wenn die RX100 (M I) bereits seit 2012 auf dem Markt ist und die Nachfolgemodelle laut diverser Tests in Sachen Bildqualität nochmal zugelegt haben, weiß mich die Kamera nach wie vor in diesem Bereich zu überzeugen.

Schauen wir uns die Fähigkeiten doch mal im Detail an:

Wichtig war mir ja ein lichtstarkes Objektiv, das mir in Kombination mit dem für eine Kompaktkamera relativ großen Bildsensor der RX100 (1 Zoll) ein gewisses Freistellungspotential bei Motiven bietet. Im unteren Brennweitenbereich bei 10mm (was einem 28mm Kleinbildäquivalent entspricht) besitzt das Zeiss Objektiv eine maximale Offenblende von f1.8. Im langen Brennweitenbereich (bei 37mm oder 100mm KB) sinkt die Lichtstärke dann auf f4.9 (die Modelle Mark III und IV besitzen auch am langen Ende bei 70mm KB noch eine Offenblende von f2.8). Zumindest im weitwinkligen Bereich kann man Motive in geringer Aufnahmedistanz also vom Hintergrund freistellen. Das eröffnet ein kreatives Potential, welches mir auch bei einer Kompaktkamera wichtig ist. Hier mal ein Beispiel, aufgenommen mit Blende f2.2:

Bokeh Sony RX100
Pilz bei Blende f2.2 aufgenommen

Der Zeiss Schriftzug an der Kamera verspricht ja eine ordentliche Objektivqualität. Von der Schärfe bin ich tatsächlich sehr angetan. Auch feine Details werden auf dem 20 Megapixel Sensor überraschend gut aufgelöst (eine solche Auflösung auf einem vergleichsweise kleinen Kompaktkamerasensor ist ja nicht zwangsläufig ein Garant für qualitativ hochwertige Bildergebnisse). Hier mal ein ungeschärftes Beispielbild in Total- und Zoomansicht:

DSC05477
Das komplette Bild…
DSC05477-3
… und ein Detailausschnitt bei ~100%. Selbst kleine Details wie Spinnweben sind erkennbar.

Bei sehr kontrastreichen Stellen konnte ich gelegentlich Farbsäume im Bild beobachten – nichts jedoch, was man nicht in Lightroom korrigieren könnte.

Das lichtstarke Objektiv ermöglichte mir auch bei schlechtem Licht bei relativ niedrigen ISO-Werten zu fotografieren. Stichwort Rauschverhalten – bis ISO 1600 habe ich keine Bauchschmerzen die Kamera zu verwenden. Das folgende Bild habe ich versehentlich bei ISO 1600 im RAW-Modus aufgenommen. In Lightroom wurde nachträglich keine Rauschreduzierung vorgenommen. In der Totalansicht fällt das Bildrauschen nicht unangenehm auf. In der Detailansicht empfinde ich das Rauschen zwar als wahrnehmbar aber nicht störend. Man sollte vor allem eines bedenken: Wenn wir uns ein Bild ausdrucken, hängt i.d.R. niemand direkt mit der Nase davor, sondern wir betrachten es uns aus einem gewissen Abstand. Bildrauschen wird häufig überbewertet (nicht falsch verstehen – irgendwann fängt es auch mich an zu stören 😉 )!

Rauschen Sony RX100
Das versehentlich bei ISO 1600 aufgenommene Bild
Sony RX100 Rauschen
Die Detailansicht des Bildes

Viel wichtiger als der Aspekt des Bildrauschens ist mir persönlich der Dynamikumfang, den der Sensor einzufangen vermag. Ich fotografiere mittlerweile ausschließlich in RAW und bearbeite die Bilder in Lightroom nach. Ich denke, auf diese Weise kann ich das Beste aus den Fotos herausholen. Da auch die Sony RX100 in RAW fotografieren kann, war ich neugierig, wieviel man aus „ausgefressenen“ und „abgesoffenen“ Bildbereichen bei Fotos von dieser Kamera noch retten kann. In den Lichtern kam ich hier relativ schnell an meine Grenzen. Daher bin dazu übergegangen, bei schwierigen Lichtsituationen mit Blick auf das Histogramm die Tiefen eher unterzubelichten und in der Nachbearbeitung etwas aufzuhellen. Natürlich fängt es dann in den aufgehellten Bildbereichen auch wieder an zu rauschen, dennoch finde ich es durchaus beeindruckend, was man hier noch an Bildinformationen rausholen kann:

DSC06107
Vor dem Aufhellen der Tiefen
DSC06107-2
Nach dem Aufhellen der Tiefen

Optional sind aber auch Filteradapter für die RX100 zu erwerben, die das Anbringen von Grauverlaufsfiltern erlauben. Auf diese Weise kann man schwierige Lichtsituationen ebenfalls in den Griff bekommen.

Im folgenden nochmal eine kleine Galerie aus Fotos, die mit der RX100 gemacht wurden sowie mein Fazit:

Fazit

Für meine Zwecke reichen die Fähigkeiten der Kompakten Sony RX100 (Mark I)* vollkommen aus und stellen mich sehr zufrieden. Gerade wenn ich mal nicht viel Equipment schleppen möchte oder kann, sind mit dieser Kamera immer noch sehr gute Bildergebnisse möglich. Der Funktionsumfang ist groß und die Bildqualität auch 2016 noch überzeugend. Inwiefern die neuen RX100 Modelle hier nochmal hervorstechen, kann ich leider nicht sagen. Wer von euch hat Erfahrungen mit denen?
Auf die Videoperformance der RX100 bin ich bewusst bisher nicht eingegangen, da ich sie zu selten genutzt habe. Ich werde diesen Artikel von Zeit zu Zeit aktualisieren und neue Eindrücke wiedergeben. Gerade auf die Performance bei einem möglichen Unterwassereinsatz bin ich sehr gespannt – ich halte euch auf dem Laufenden! Fragen dürfen gerne im Kommentarbereich gestellt werden!

Update 7.12.2016

Immer wieder merke ich, dass die 28mm (Kleinbildequivalent) am kurzen Ende für meinen Geschmack etwas zu „lang“ sind. Bei der Version III, IV und V sind es am kurzen Ende 24mm (KB), welche mir persönlich besser zusagen würden. Leider sind mir diese Versionen doch momentan etwas zu teuer für „nur“ eine Kompakte.

Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass die RX100 I im Nahbereich in Sachen Detailschärfe etwas schwächelt –  zumindest bei offener Blende.

 

 

(* Affiliate Link – Beim Kauf über diese Amazon Links erhalte ich eine kleine Provision. Für den Käufer entstehen keine zusätzlichen Kosten oder Nachteile.)

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10 Kommentare zu „Meine Erfahrungen mit der Sony RX100 Kompaktkamera

  1. Hi
    schön dass du uns diese Cam vorgestellt hast. Gebe dir Recht, immer kann man das GROSSE Equipment nicht mitschleppen. Und doch, ab und verpasst man eine Chance. Sei es eine schöne Lichtstimmung oder der Schnappschuss des Tage. Sicher, die Handys liefern inzwischen bessere Bilder, kommen aber sicher nicht an eine KompaktCam ran. So hast du nun eine gute Variante wenn du mal mit leichtem Gepäck los willst.
    Noch viel Spass damit, LG aus der CH;Thee

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  2. Hallo, ich habe diese Kamera gerade geschenkt bekommen da ich gern fotographiere, aber von der ganzen Technik bin ich jetzt doch überfordert. Mit welcher Grundeinstellung am oberen Rad sollte ich beginnen? Vielleicht bekome ich ein paar einfache Tips dazu, wäre schön.
    Liebe Grüße und noch ein erfolgreiches Fotojahr.

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    1. Hallo Kornelia,
      ein schönes Geschenk hast du da bekommen. Lass dich von den ganzen Einstellmöglichkeiten nicht erschrecken! Meine Empfehlung wäre, so früh wie möglich die halbautomatischen Modi zu nutzen (A oder S auf dem Wahlrad) und dich nicht zu lange auf die Programmautomatik (P auf dem Wählrad zu verlassen). So wirst du dich schnell mit Parametern wie Blende und Verschlusszeit vetraut machen.

      Das A auf dem Wählrad steht für Aperture (engl. für Blende) – in diesem Modus stellst du die Blende selber ein und die Kamera bestimmt die korrekte Belichtungszeit.

      Das S auf dem Wahlrad steht für Shutter (Verschluss) – in diesem Modus stellst du die Belichtungszeit selber ein und die Kamera passt die Blende an.

      Wichtig ist, dass du dich frühzeitig mit den 3 Parametern, die die Belichtung steuern – Blende, Verschlusszeit und ISO Wert -vertraut machst. Wenn du das verinnerlicht hast, kannst du gerne auch den M (manuell) Modus nutzen, wo du volle Kontrolle über alle 3 Parameter hast.

      Hier kurz eine Erklärung:

      Blende: Die Blende reguliert den Lichteinfall durch das Objektiv und die sogenannte Schärfentiefe. Generell bedeutet eine kleine Blendenzahl (bspw. f1.8) eine große Blendenöffnung und eine geringe Schärfentiefe (der Bereich im Bild, der scharf ist). Eine große Blendenzahl (bspw. f16) bedeutet eine kleine Blendenöffnung und große Schärfentiefe. Klingt erstmal verwirrend, lernt man aber schnell.

      Verschlusszeit: Die Zeit, in der der Verschluss vor dem Sensor offen bleibt bzw. Zeit in der der Sensor belichtet wird.

      ISO: Regelt die Lichtempfindlichkeit des Sensors.

      Wenn du weitere Fragen hast, melde dich einfach!

      LG,
      Patrick

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  3. @ Paul Kamionski: besitze die RX100III auch schon eine Weile. Als Alternative für ne große Spiegelreflex nutze ich sie nur ab und zu wenn ich nicht viel tragen kann oder will. Wie alle Kompaktkameras rauscht auch die RX100III ein wenig. Jedoch finde ich ihr Rauschverhalten spürbar besser als bei anderen Kompakten die ich vor ihr hatte. Ich bin wirklich verblüfft was eine Kompakte mit 1″ Sensor zu leisten vermag. Schön dass manche Hersteller diesen Weg gegangen sind

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  4. Das erste Bild aus der Galerie ist mein Favorit. Ich mag diese flache Perspektive. Die nimmt man mit einer DSLR gewöhnlich nicht ein – es sei denn, die Kamera hat ein Klappdisplay.

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    1. Hallo Jörn,
      vielen Dank!
      Ich muss allerdings sagen, dass ich zum wirklichen Fotografieren doch lieber mit der Großen unterwegs bin. Die Kleine gefällt mir für eine Kompakte außerordentlich gut. Aber so eine Kamera mit Sucher zwingt mich irgendwie, mir mehr Zeit zu nehmen. Aber klar, die beste Kamera ist immer die, die man bei sich hat – und die Kompakte hab ich eigentlich immer im Rucksack 🙂

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