Landschaftsfotografie – Was ich bisher gelernt habe

Im letzten Jahr habe ich begonnen, mich intensiver mit der Landschaftsfotografie zu beschäftigen. Was mich vor allem an dieser reizt, ist die Vielseitigkeit – Landschaft ist ja letzten Endes überall um uns herum, sei es natürlich oder vom Menschen geprägt. Wer also die Augen offen hält, hat immer die Möglichkeit auf reizvolle Motive.
Unter vielen Fotografen gilt die Landschaftsfotografie als Königsdisziplin. Sie benötigt i.d.R. gute Vorbereitung und ist mitunter körperlich sehr fordernd.

Auch wenn ich persönlich noch ganz am Anfang meiner Entwicklung als Landschaftsfotograf stehe, so habe ich  in den letzten Monaten doch ein paar Dinge gelernt, die ich mit dem interessierten Leser im folgenden teilen möchte!

Vorbereitung

Vorbereitung ist das A und O in der Landschaftsfotografie (vermutlich noch mehr als in anderen Arten der Fotografie). Herausragende Landschaftsfotos entstehen selten spontan und sind meist Resultat einer umfangreichen Planung. So sind gute Landschaftsfotografen oft jahrelang regelmäßig in einem Gebiet unterwegs und kennen dieses wie ihre Westentasche. Wo ist wann das beste Licht, welche Kamerastandpunkte sind sinnvoll und wie erreiche ich diese – das sind Fragen, die man sich stellen sollte.

Anfangs habe ich Landschaften auf gut Glück geknipst – mit  wenig zufriedenstellenden Ergebnissen. Dann bin ich dazu übergegangen, mir interessante Gebiete, die ich noch nicht gut kenne, zunächst auf Google Maps anzuschauen (und evtl. auch direkt vor Ort wenn möglich), um einen Überblick über die Gegend und potentielle Kamerastandpunkte zu bekommen. Gleichzeitig finden sich bei Googles Kartendienst häufig bereits Fotos der Location, die mir einen ersten Eindruck vermitteln. Auf diese Weise kann ich mir geistig erste vage Bildkompositionen überlegen. Vor Ort ist meist nur ein kurzes Zeitfenster, in dem sich Fotografieren überhaupt lohnt, bevor dann das Licht aus fotografischer Sicht uninteressant wird. Da ist es sinnvoll, bereits eine fotografische Idee zu haben.
Licht ist das nächste wichtige Stichwort: Ich studiere vor einer geplanten Fototour zunächst den Wetterbericht. Möchte ich einen herrlichen Sonnenaufgang fotografieren, wird das bei mit Wolken verhangenem Himmel äußerst schwierig. Im Zweifel verschiebe ich mein Vorhaben auf einen Tag mit besseren Wetterbedinungen.
Stimmen diese jedoch, ist es von Vorteil zu wissen, zu welchem Zeitpunkt die Sonne aufgeht bzw. wo sie das tut (der alte Leitspruch „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.“ ist nur als grobe Orientierung geeignet 😉 ). Genauer ist da die folgende Web App The Photographer´s Ephemeris:

Ephimeris

Diese App ist wirklich ein tolles Werkzeug für den Landschaftsfotografen, da sie mir ermöglicht, u.a. den exakten Stand der Sonne und des Mondes zu jeder Tages- und Jahreszeit und an jedem Ort der Welt anzuzeigen. Gerade heute war mir diese Anwendung äußerst nützlich! Ja ich weiß, früher sind Fotografen (zwangsläufig) auch ohne so eine App ausgekommen… Ich für meinen Teil mache gerne davon Gebrauch.

Verlasse die Komfortzone

Eine weitere wichtige Erkenntnis für mich war, dass ein anprechendes Foto häufig erfordert, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das kann bedeuten, besonders früh für das beste Licht aufzustehen oder aber lange wach zu bleiben. Es kann auch bedeuten, lange Fußmärsche auf sich oder extreme Witterungsbedingungen in Kauf zu nehmen. So ergeben sich häufig Fotogelegenheiten, die anderen verwehrt bleiben. Und selbst wenn kein fantastisches Foto entsteht, ergeben sich beim Verlassen der Komfortzone zumindest unvergessliche Momente. Gerade heute morgen beim Fotografieren an der Ostsee habe ich es sehr genossen, auch wenn es eisig kalt war, die einzige Person weit und breit am Strand zu sein.
Weiterhin ist es förderlich, sofern man wirklich fotografieren und nicht nur knipsen möchte, dies alleine oder aber zusammen mit einem anderen Fotoenthusiasten zu machen. Ein/e Partner/in oder Freund/in, der/die weniger fotografie-begeistert ist, wird in aller Regel schnell gelangweilt sein 😉

Probiere dich aus

Wer glaubt, dass professionelle Fotografen nur fantastische Aufnahmen auf den Sensor bannen, der irrt sicherlich gewaltig. Der Punkt ist: Wir bekommen nur die hochwertigen Fotos zu sehen. Ich bin überzeugt, dass auch Profis einen gewissen (aber möglichweise im Vergleich zu Amateuren geringeren) Ausschuss an Bildern haben.
Es macht sicherlich Sinn, gewisse Gestaltungsregeln der (Landschafts-) Fotografie verinnerlicht zu haben. Darüber hinaus heißt es ausprobieren, was beim jeweiligen Motiv funktioniert. Soll heißen: Wechsle bei einem Motiv zwischen verschieden Brennweiten, Hoch- und Querformat, wechsle die Perspektive, verändere den Bildausschnitt, die Blende oder Belichtungszeit… Ausprobieren und das Erlangen von fotografischer Praxis sind der Schlüssel für gelungene Landschaftsfotografie (und auch alle anderen Arten der Fotografie). Zu erkennen, dass diese spielerische Auseinandersetzung mit Motiven tatsächlich das fotografische Auge schult, ist für mich unglaublich motivierend, auch wenn ich viel – auf gut Deutsch – fotografischen Mist produziere und gelegentlich das Gefühl habe, kreativ auf der Stelle zu treten. Einer meiner favorisierten Youtube Fotografen, Mike Brown, sagt gerne mal: „Don´t be afraid to get it wrong!

Mein Motiv von heute morgen, einmal im Hoch- und einmal im Querformat. Was besser funktioniert? In diesem Falle habe ich mich für das Hochformat entschieden.

 

Die Ostseesteilküste bei Heiligenhafen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten fotografiert:

Mangroven und das Wrack der Maria Schröder im Nabq Nationalpark auf dem Sinai von verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Brennweiten fotografiert:

Equipment nicht über- aber auch nicht unterbewerten

Klar: Mit den allermeisten Kameras lassen sich heutzutage qualitativ gute (Landschafts-) Fotos machen. Mir geht es hier auch nicht um die Kameras (sicherlich sind einige für bestimmte Verwendungszwecke besser geeignet als andere) sondern um unterstützendes Equipment. Was mir bei der Verbesserung der technischen Qualität der Bilder ungemein weitergeholfen hat, war zuallererst so etwas simples wie ein robustes Stativ. Mein Tipp: Investiert in ein ordentliches Stativ (und nicht in eines von diesen Klapperdingern für 30€). Mindestens 150€ sollten es schon sein. Daran habt ihr dann gewiss lange Freude und erhaltet, wenn alles richtig gemacht wurde, signifikant schärfere Fotos und mehr kreativen Spielraum (z.B. durch Langzeitbelichtungen, wo ein gutes Stativ Pflicht ist). Ebenso erlaubt es die Verwendung von niedrigen ISO-Werten auch bei schlechten Lichtverhältnissen.
Desweiteren kann ich nach meinen Erfahrungen mindestens eine Art von Filtern in der Landschaftsfotografie empfehlen: Die sogenannten Grauverlaufsfilter. Sie helfen, schwierige Lichtsituationen besser in den Griff zu bekommen, indem sie helle Bildbereiche, die auszufressen drohen, abdunkeln während dunklere Bildbereiche korrekt belichtet werden. Auf diese Weise erhält man von vorne herein mehr Dynamik im Bild. Sicherlich haben moderne DSLRs einen enorm hohen Dynamikumfang, sofern man im RAW-Modus schießt und man kann dunkle Bereiche aufhellen bzw. helle Bereiche abdunkeln. Aber gerade das Aufhellen der Schattenbereiche im Bild geht immer auch mit einem Verstärken des Bildrauschens und so mit einer Verschlechterung der Bildqualität einher. Warum also nicht von vorne herein ein in den Tiefen und in den Lichtern korrekt belichtetes Bild aufnehmen?! Ich für meinen Teil habe schon sehr von einem solchen Filter profitiert. Ein Erfahrungsbericht von mir zu einem Filtersystem ist hier zu finden.

DSC05833

 

Habe Geduld und vor allem Freude an der Fotografie

Oftmals hatte ich das Gefühl, mich fotografisch in der Landschaftsfotografie nicht wirklich weiter zu entwickeln. Meine persönlich wichtigste Erkenntnis war: Einfach weitermachen, mit sich und der Fotografie geduldig sein und vor allem: Die Freude an diesem Hobby nicht verlieren. Es wird immer Phasen des vermeintlichen Stillstands geben. Wer sich aber stetig mit dem Thema auseinandersetzt und seine eigenen Herangehensweisen an die Fotografie permanent hinterfragt (im positiven Sinne), der wird rückblickend sehr wohl eine Entwicklung, gerade beim Vergleich von älteren und neueren Bildern, feststellen. Was mir persönlich sehr hilft ist, auch während fotografisch inaktiver Phasen zu versuchen fotografisch zu denken, nach Linien, Mustern und interessanten Kontrasten in meiner Umgebung zu schauen und mich zu fragen, wie ich diese Motive fotografisch umsetzen würde. Meines Erachtens schult das den Blick für Gestaltung ungemein.

Fazit

Ich selber stehe, wie erwähnt, noch ganz am Anfang meiner (Landschafts-) fotografischen Entwicklung. Die hier geschilderten Erfahrungen sind rein subjektiv, sicherlich unvollständig und erheben keinen Anspruch darauf, objektive, für Jedermann nützliche  Informationen zu sein. Es ist meine persönliche Herangehensweise hin zu „besseren“ Landschaftsfotos. Dennoch hoffe ich, der eine oder andere kann dem Text etwas für sich abgewinnen. Was sind eure Erfahrungen? Was sind für euch wichtige Erkenntnisse beim Lernprozess in der Fotografie gewesen? Was ist eure Herangehensweise an das Thema? Über Kommentare freue ich mich jederzeit!

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16 Kommentare zu „Landschaftsfotografie – Was ich bisher gelernt habe

  1. Hi
    toller Artikel. Gebe dir vollständig Recht. Musste ein bisschen schmunzeln wegen der Bemerkung: Comofortzone verlassen. Oh wie wahr! Das galt für mich auch. Bin ja eher Tierfotografin und auch hier heisst es: früh aufstehen da viele Tiere morgens sehr aktiv sind und auch wegen den Lichtverhältnissen speziell am Wasser. Und auch bei uns ist die Vorbereitung ein grundlegender Fakt. Recherchieren welche Tiere welche Gebiete aufsuchen, wie kommt man hin und und und…
    Uebrigens tolle Aufnahmen. Ich wünschte ich würde näher an einem Meer wohnen, liebe nämlich die Langzeitbelichtung von Wasser. Kürzlich auf Helgoland ging das nicht bei einem Sturm von 95 km/h 🙂
    Tja, aber das Jahr ist ja noch lang. Schönen Tag wünscht dir Thee

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    1. Hallo Thee! Danke zunächst für dein Kommentar! Ja, in der Tat – auch die (erfolgreiche) Tierfotografie benötigt gute Vorbereitung. Ich fotografiere ja leidenschaftlich gerne Reptilien (kann es kaum abwarten bis Ende Februar die ersten Kreuzottern ihre Winterruhe beenden). Ohne das Wissen um deren Lebensräume und Aktivitätszeiten geht da ebenfalls gar nichts. Ja, das liebe Meer – ich werde es vermissen, denn Ende des Jahres geht es für mich Richtung Süden nach Tübingen, wo ich dann aber den Schwarzwald in der Nähe habe – auch fantastisch für Landschaften und Tiere. Ich wünsche dir dieses Jahr viel Erfolg bei eventuellen Langzeitbelichtungen am Meer!
      Liebe Grüße,
      Patrick

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  2. Hallo Patrick,
    danke für deinen erneut (oder gewohnt?) tollen Beitrag! Schön, dass du die Idee des Bloggens so weiterträgst – Gelerntes berichten und weiter sagen. Gerade für Einsteiger in die Landschaftsfotografie kann man hier sicher noch einiges raus holen. Echt super! Habe deinen Beitrag in mein weekly reading aufgenommen. Genau aus diesem Grund, um ihn zu teilen. Danke für dein Einverständnis. 😉
    Viele Grüße,
    Mario

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    1. Hallo Mario! Danke für deine Verlinkung und deinen wirklich netten Kommentar! Für mich ist sowas immer Motivation, mir weiter über hoffentlich interessanten Content Gedanken zu machen und diesen zu publizieren. Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende 😉
      Mein Einverständnis hast du natürlich!
      Patrick

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      1. Na, das freut mich, dass du einverstanden bist. Und natürlich auch, wenn dich sowas motiviert. 😉 Auch dir ein schönes Wochenende,
        Mario

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  3. Hallo Patrick, schön, dass du meinem Blog folgst! Danke sehr 🙂 Dein Artikel ist hervorragend geschrieben und ich würde, auf die Food Fotografie übertragen, alles so unterschreiben. Mich hat die Landschaftsfotografie bzw. allgemein die Outdoorfotografie sehr schnell frustriert, weil man, wie du sagst, auf so viele Faktoren achten muss und sie einplanen sollte. Dazu fehlte mir die Ruhe und die Zeit, vor allem weil ich mich, wenn ich draußen bin, in erster Linie um mein Hundetier kümmern muss. Daher verbinde ich nun das Kochen und das Backen mit der Fotografie, weil ich dort die verschiedenen Faktoren wie Licht, Winkel etc. etwas mehr in Ruhe berücksichtigen kann. Spannendes Thema und ich freue mich auf weitere Beiträge von dir!
    LG Vimala

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    1. Hallo Vimala,
      nichts zu danken – Essen und Fotografie ist doch eine sehr spannende Kombination (in der ich mich bis dato noch nicht versucht habe, obwohl es von Berufswegen eigentlich nahe läge – ich bin gelernter Koch) 😉
      Ich wünsche dir viel Freude mit und und viel Leserschaft für deinen Blog!
      Ein schönes Wochenende,
      Patrick

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    1. Hallo Mario! Vielen lieben Dank für deine Nominierung – das ehrt mich sehr! Ich werde gerne teilnehmen, allerdings erst in den kommenden Tagen, wenn ich frei habe und ein wenig Zeit um mir Antworten und Fragen zu überlegen. Zeitlich gibt es ja keinen Druck, oder?! Beste Grüße und eine erfolgreiche Restwoche wünsche ich dir!

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      1. Hallo Patrick,
        danke für die lieben Grüße! Nein, zeitlich gibt es keinen Druck. Ich freue mich wenn du demnächst die Zeit findest und teilnimmst. 😉
        Auch dir eine schöne Restwoche!
        Mario

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  4. Mir geht es ganz ähnlich, ich bin auch noch am Anfang. Als ich von Fotofiltern wie dem Grauverlaufsfilter oder dem ND Filter gehört habe, habe ich nochmal einen Motivationsschub bekommen und ich habe richtig Spaß daran. Ich habe das Gefühl, dass es wirklich schwierig wird in dem Gebiet bekannt zu werden, was für mich einen Traum erfüllen würde. Dennoch macht es mir einfach für mich so viel Spaß dass ich niemals aufhören könnte! Ich fürchte ich mich süchtig 🙂
    Ich finde deine Seite wirklich hilfreich und hoffe hier auch noch ein paar Tipps aufschnappen zu können!
    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Moin Mara,

      das stimmt natürlich – bekannt zu werden ist bei der Masse an Bildern und dem gesättigten Markt extrem schwierig (unmöglich möchte ich nicht sagen). Ist halt schwierig aufzufallen in der Masse. Solange aber der Spaß an der Fotografie deine Hauptmotivation ist, ist das letzten Endes ja auch egal! Einfach dranbleiben! Landschaftsfotografie ist ein feines Hobby. Viel Freude dir weiterhin!
      Zeigts du denn irgendwo deine Aufnahmen?

      Beste Grüße,

      Patrick

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