Schweiß, Mücken und das Sigma 10-20 mm

Da ich mich intensiver mit der Landschaftsfotografie beschäftigen möchte, habe ich meine Objektivauswahl im unteren Brennweitenbereich um das Sigma 10-20mm f4.0-5.6 Ultraweitwinkelobjektiv erweitert. Laut diverser Tests ist dieses Objektiv in seiner Preisklasse ein sehr ordentlicher Vertreter in diesem Brennweitenbereich an APS-C Sensoren. Keine Sorge – ich langweile nicht mit technischen Details und 100% Pixelpeeping Ansichten – die gibt´s zu Genüge im Netz. Hier gebe ich nur ein paar Eindrücke der Linse wieder…

Sigma 10-20mm f4.0-5.6 für Sony A-Bayonett
Sigma 10-20mm f4.0-5.6 für Sonys A-Bayonett

Da ich nicht so sehr Lust auf klassische Strandfotos hatte (für interessantes Licht hätte ich dort eh zu den frühen Morgenstunden sein müssen), entschloss ich mich einen Abstecher ins Kaltenhofer Moor, ca 15 km nördlich von Kiel, zu machen, um dort in den Abendstunden vielleicht das eine oder andere schöne Foto zu schießen.
Ich hatte die Rechnung ohne einem der unangenehmsten Bewohner von Feuchtgebieten gemacht.

Das 54 ha große Naturschutzgebiet „Kaltenhofer Moor“ und der südlich angrenzende Naturwald Stodthagen sind sehr besondere Lebensräume. Der Wald wird seit 1999 größtenteils sich selbst überlassen und wird so nach und nach zum Urwald von morgen. Durch die Wiedervernässung des angrenzenden Moores entstehen neue Kleingewässer, in und an denen Amphibien, Fledermäuse und Insekten ein neues zu Hause finden. Der erhöhte Wasserstand hat zur Folge das z.T. Baumgruppen absterben – Totholz, das überaus wertvoll für diverse Insekten- und Pilzarten ist. In nassen Senken entwickeln sich artenreiche Erlen- und Eschenbruchwälder.
Im eigentlichen Hochmoor, das durch Wiedervernässung renaturiert wird, finden Pflanzenarten wie z.B. Besen- und Glockenheide, Toorfmoose, Scheidiges Wollgras und der insektenfressende Rundblättrige Sonnentau einen geeigneten Lebensraum.

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia).
Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia). Sigma 10-20 @20mm, ISO 100, f5.6, 1/1600 Sek., leichter Crop

Eine Besonderheit im angrenzenden Grünland ist das Vorkommen der seltenen Rotbauchunke (Bombina bombina), die hier durch Schutz- und Ansiedlungsmaßnahmen wieder eine Zukunft hat.

Der Weg ins NSG „Kaltenhofer Moor“

Um mein Ziel zu erreichen, entschied ich mich für Drahtesel meiner Freundin als Transportmittel. Immer die Eckernförder Straße entlang bis nach Suchsdorf ging es dann über den Nord-Ostsee-Kanal. Von dort hielt ich mich Richtung Felm und nach etwas über einer Stunde (mit Pause) gelangte ich doch ein wenig verschwitzt am Stodthagener Wald an. Es war etwa 18 Uhr – so hatte ich etwa 2 Stunden bis das Licht aus  fotografischer Sicht interessant würde. Genug Zeit um nach passenden Motiven Ausschau zu halten. Doch ein grausamer Gegner sollte mir die Freude am Fotografieren heute noch nehmen.

Das Moor

Während des 4. Semesters meines Studiums haben wir einmal eine Exkursion ins Gebiet unternommen und daher wusste ich von einigen Stellen im Kaltenhofer Moor, an denen der Rundblättrige Sonnentau wuchs. Ich hielt mich grob Richtung Norden, wo ein idyllisch gelegener Moorsee zu finden ist. An einigen lichten Stellen wachsen Glocken-, Rosmarin- und Besenheide – und der gesuchte Sonnentau. Da man den Weg hier nicht verlassen darf (Naturschutzgebiet!) konnte ich nur am Rand der Fläche nach dieser kleinen Pflanze Ausschau halten.
Und nun merkte ich, was für eine ausgesprochene Dummheit es von mir war, im Hochsommer mit kurzer Hose in ein Feuchtgebiet zu gehen.

Mahlzeit

Jede freie Stelle der Haut war wie ein gedeckter Tisch für diverse Mückenspezies und diese ließen mich so gar nicht an entspanntes Fotografieren mit meinem neuen Objektiv denken. Ich war ein gefundenes Fressen im wahrsten Sinne des Wortes…
Ich folgte dem Pfad, um abseits des Gewässers vielleicht etwas Ruhe vor den Blutsaugern zu finden. Dumm nur, dass der Pfad von Gräsern gesäumt war, die alle permanent meine Waden strichen. Auch hier wartete allerlei Getier auf mich – und nicht nur Mücken – nein, natürlich fanden jetzt auch vereinzelt Zecken ihren Weg auf meine Haut.

Moorwald. Sigma 10-20mm @10mm, f11, ISO100, 1/8 Sek.

Weswegen war ich nochmal hier? Ach ja, eigentlich um das Objektiv zu testen und mich in der Landschaftsfotografie auszuprobieren.
Das tolle an so einem Ultraweitwinkel ist ja, dass man so unglaublich viel auf´s Bild bekommt – und das ist zeitgleich auch das größte Problem. Bildgestaltung will hier wohl überlegt sein, sonst hat man eben einfach nur viel auf dem Foto, was wenig harmonisch wirkt. Das merkte ich schnell. Vielleicht ist gerade so ein Moorwald nicht ideal für so geringe Brennweiten und Detailaufnahmen würden viel eher die Stimmung eines solchen Gebiets transportieren?! Ich hielt Ausschau nach führenden Linien im Gelände, nach interessanten Baumformationen und Kontrasten. Was das Auge für Landschaftsfotografie angeht, muss ich noch viel lernen!

Der Moorsee. Sigma 10-20mm @10mm, f11, ISO100, 1/125 Sek., leichte Flares sind im Gegenlicht zu erkennen – aber nicht dramatisch!

Langsam fingen meine Beine an, unerträglich zu jucken (das sollte mir in der kommenden Nacht noch viel „Freude“ bereiten), doch ich wollte mich nicht geschlagen geben gegen diesen übermächtigen Gegner. Ich fahre doch keine 15 km mit dem Rad, um mich dann so schnell vertreiben zu lassen…

Moorsee. Sigma 10-20mm @10mm, f11, ISO100, 1/160 Sek.

Vielleicht sollte ich mal etwas konkretes zum Sigma 10-20 f4.0-5.6 sagen?! Erwartet hier keine Analyse von Auflösungswerten o.ä. – ich gebe nur ein paar sehr subjektive Eindrücke wieder. Haptisch macht das Teil einen sehr soliden Eindruck, auch wenn es sicherlich aus Kunststoff ist und nicht wetterfest.  Fokus- und Brennweitenring laufen sehr geschmeidig. Ob die maximale Offenblende von f4 bei 10mm ausreichend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden (ich fotografiere meist abgeblendet). Was Detailschärfe angeht, gibt es bei Blende 8-11 (meine bevorzuge Blende bei diesem Objektiv) nix zu meckern! Schärfevergleiche bei unterschiedlichen Brennweiten habe ich nicht gemacht, denn ich nutze hauptsächlich die extremen 10-12mm. Und in dem Brennweitenbereich bin ich äußerst angetan von der Schärfeleistung. Es scheint, als habe ich keines von Sigmas berüchtigten „Montagsmodellen“ erwischt. Zu den Rändern hin lässt sich (Brennweiten-üblich) ein (geringer) Schärfeabfall bemerken, der aber abgeblendet auf f8-11 nicht mehr auffällt (es sei denn, man schaut sich das Bild permanent in der 100% Ansicht an). Ich für meinen Teil hänge mir Bilder irgendwann an die Wand, sofern sie mir gefallen und dann sind mir bei Drucken auf 30×20 cm solche Makel reichlich egal –  sie sind bei normalem Betrachtungsabstand nicht sichtbar. Was mir hingegen aufgefallen ist, sind die gelegentlichen chromatischen Abberationen an kontrastreichen Stellen im Bild. Diese sind aber mit Lightroom leicht zu entfernen. Flares im Bild sind mir nur bei extremen Gegenlichtsituationen aufgefallen (siehe Bild oben).
Für den Profi, der sein Geld mit Fotografie verdient, gibt es sicherlich weitaus bessere Weitwinkel-Objektive  (für ein Vielfaches des Preises vom Sigma Objektiv). Für den Preis des Sigmas aber (für 300€ ist es gebraucht zu kriegen) bekommt ihr ein sehr ordentliches Objektiv, das den Ansprüchen von ambitionierten Hobbyfotografen genügen sollte. Ich für meinen Teil behalte es und werde mich nun nach einem guten Filtersystem umschauen, um mit ND- und Verlaufsfiltern arbeiten zu können. Das wird mir sicherlich weitere kreative Möglichkeiten eröffnen. Desweiteren wird es mir in fernerer Zukunft in der Unterwasserfotografie sicherlich gute Dienste leisten können, gehören UWW-Objektive doch zur Standardausrüstung in der UW-Fotografie!

Ach ja, den Mücken musste ich mich leider geschlagen geben. Es war nicht auszuhalten. Wirklich! Ich habe mich dann entschieden, den Sonnenuntergang an einem anderen Ort zu genießen!

Containerschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Sigma 10-20mm @10mm, ISO200, f8, 1/6 Sek.
Advertisements

3 Kommentare zu „Schweiß, Mücken und das Sigma 10-20 mm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s