Schlangensafari – Auf der Suche nach der Schlingnatter

In Bezug auf Schlangen bin ich ein echter Nerd. Von kleinauf bin ich von diesen Reptilien begeistert. Früher wurde der Familienurlaub in Südfrankreich für ausgiebige Schlangenpirsch genutzt und seit ich hier oben in Schleswig-Holstein lebe, bin ich regelmäßig auf Fotosafari, um diese scheuen Reptilien zu finden. Mitunter vergehen Stunden, in denen ich jedes Zeitgefühl, Hunger und Durst vergesse, während ich Hecken und Böschungen absuche – das hat für mich etwas meditatives! Ich sollte bei anderen Dingen auch mal soviel Geduld zeigen…
Um Kreuzottern und Ringelnattern zu finden, habe ich einige gute „Reviere“ in relativer Nähe zu meiner Heimatstadt Kiel, die ich recht unkompliziert erreichen kann. Ein Punkt auf meiner „To Do“ Liste für dieses Jahr war es jedoch, Schleswig-Holsteins seltenste Schlange zu finden: Die Schlingnatter (Coronella austriaca). Zwar ist diese Art in Deutschland neben der Ringelnatter die häufigste Schlangenart (wenn auch nicht so flächendeckend vertreten), doch ist sie hier oben in SH zur Zeit nur von 6 Fundorten bekannt (die alle leider auch nicht sonderlich nah an Kiel liegen). Dies hängt zum einen mit einem starken Lebensraumverlust zusammen, zum anderen ist es aber auch durch die extrem versteckte Lebensweise dieser Art bedingt. Weitere, unbekannte Vorkommen sind also nicht ausgeschlossen – es kam vor, dass diese kleine Schlange nach Jahren oder Jahrzehnten ohne Nachweis plötzlich wieder in einem Gebiet aufgefunden wurde. Obwohl tagaktiv, sind bei der Suche nach Schlingnattervorkommen sogenannte künstliche Verstecke (KV) nötig, welche die Tiere gerne aufsuchen (meist handelt es sich bei den KV um einfache Dachpappe oder Wellbleche). Diese Schlangen ohne KV zu finden kann äußerst schwierig sein – die Nachweiswahrscheinlichkeit ist äußerst gering!

Wie auch immer – durch etwas Recherche und Gespräche mit Biologen konnte ich die vielversprechendsten Fundorte von Schlingnattern in SH in Erfahrung bringen. Zwei erfolglose Versuche hatte ich in diesem Jahr bereits gestartet um diese Tiere zu finden – wofür ich teilweise 2,5 Stunden mit der Bahn durch Schleswig-Holstein gereist bin. Anfang dieser Woche fasste ich den Vorsatz, mit meiner Freundin ein Auto zu mieten und das geniale Wetter am Donnerstag zu nutzen und einen dritten Versuch zu starten. Das Schlingnatterbiotop, welches wir aufsuchen würden, ist extrem schlecht bis gar nicht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden (weist jedoch die größte Schlingnatterpopulation in Schleswig-Holstein mit bisher über 170 identifizierten Individuen auf).
Also ging es ab zur Autovermietung. Nach einigen Problemen mit der Bezahlung konnte es dann endlich losgehen. Etwa 40 Minuten Fahrt durch Schleswig-Holsteins reizvolle Landschaft lagen vor uns.

Am späten Nachmittag erreichten wir unser Ziel. Die Sonne stand immer noch hoch und die Hitze wurde nur durch den leichten Wind etwas gemildert. Kaum ein Baum der Schatten spendete. Noch nicht die besten Voraussetzungen für die Schlangensuche – die Tiere meiden die stärkste Hitze des Tages. Nach einem verspäteten Mittagessen im Schatten entschlossen wir uns dennoch schon einmal durch das Naturschutzgebiet zu streifen (natürlich auf den Wegen – bei aller Faszination für diese Tiere wollten wir Störungen so gering wie möglich halten). An einigen Hügeln mit Südlage wagte ich einen ersten Blick, ob vielleicht eine der 3 in diesem Gebiet vorkommenden Schlangenarten (Kreuzotter, Ringel- und Schlingnatter) bereits die Sonnenstrahlen genoss – wie vermutet jedoch Fehlanzeige – es war einfach zu heiß! Wir folgtem dem Weg, lauschten den vielen verschiedenen Vogelarten des Gebiets und genossen einfach die Abgeschiedenheit – wir begegneten genau einem Menschen in der ganzen Zeit hier! In einiger Entfernung sprang ein Reh durch die Pfeifengrasbestände, als wir ihm zu nahe kamen. Gelegentlich raschelte es in den Gräsern neben dem Weg – vermutlich Waldeidechsen (eine potentielle Nahrungsquelle für Schlingnattern), die wir beim Sonnenbad gestört hatten.

Als die Sonne langsam etwas tiefer stand warf ich einen Blick auf einen dicht bewachsenen Steinhügel. Sofort blieb mein Blick an etwas haften – dieses Muster kannte ich zu gut – eine stattliche, weibliche Kreuzotter beim Sonnenbad. Für ein ansprechendes Foto reichte es jedoch nicht – das Tier lag zu versteckt. Stattdessen freute ich mich einfach über diesen Anblick.

Da es immer noch sehr heiß war, einigten meine Freundin und ich uns auf eine Pause im Schatten. Wir würden uns etwas stärken, ich würde ein paar Bewerbungsfotos von ihr schießen (sie hat gerade ihr Masterstudium in Medical Design abgeschlossen 🙂 ) und anschließend, in der Abendsonne würden wir die Wege noch einmal abgehen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass wir heute fündig werden würden…

Nach einem kleinen Fotoshooting gingen wir wieder auf Pirsch. Die Sonne tauchte die Moorlandschaft in ein warmes Licht. Die Hitze war nicht mehr drückend – gute Voraussetzungen, um Reptilien zu finden! Ich steuerte einen kleinen Hügel an. Mücken und Bremsen genossen ihre Blutmahlzeit an unseren unbedeckten Körperstellen – was erträgt man nicht alles für ein Foto. Ich erreichte den Hügel … und sah 2 beinlose Körper zwischen den Steinen. Auf den ersten Blick sahen sich beide Tiere sehr ähnlich. Die obere der beiden Schlangen hatte eine grau-braune Grundfärbung, ein Zick-Zack Band auf dem Rücken sowie geschlitzte Pupillen – eindeutig eine Kreuzotter! Das untere Tier zeigte eine silber-graue Grundfärbung – das Rückenmuster war jedoch kein durchgängiges Band wie bei der Kreuzotter und die Pupillen waren rund – jetzt war ich sicher – eine SCHLINGNATTER 🙂 Ich stieß einen kleinen Freudenschrei aus und rief Angelina, um ihr diese unscheinbare doch in meinen Augen schöne Seltenheit zu zeigen. Leider lag das Tier versteckt im Schatten – keine Möglichkeit für ansprechende Fotos. Doch das war egal – ich hatte meine ERSTE Schlingnatter gefunden. Ich erfreute mich einfach an diesem Anblick!

Nach etwa 10 Minuten, geplagt von allerlei stechenden Insekten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto – nicht ohne nocheinmal den Blick auf andere Hügel zu werfen. Tatsächlich zeigte sich auch noch eine ausgewachsene Ringelnatter – alle 3 Schlangenarten Schleswig-Holsteins an einem Tag – wow! Es konnte wohl nicht besser für einen Schlangenfan kommen!
Schnell noch ein paar Fotos von meiner Freundin in der tiefstehenden Sonne gemacht und dann ging es endgültig gen Auto. Zufrieden, zerstochen und müde ging es zurück nach Kiel.

Zum Schluss eine kleine Anmerkung: Alle in Deutschland lebenden Schlangen- und Eidechsenarten sind streng geschützt. Sie dürfen nicht gefangen geschweige denn getötet werden. Wenn Sie ein solches Tier erblicken, dann erfreuen Sie sich an diesem Anblick! Begegnen Sie diesen Tieren mit Respekt – sie sind vielerorts bedroht durch Lebensraumverlust und werden leider auch immer wieder illegal von selbsternannten „Tierliebhabern“ für Terrarienhaltung gefangen oder aber von Unwissenden aus Panik vor der „bösen“ Schlange erschlagen! Für Angst besteht aber wahrlich kein Grund – lässt man dem Tier genügend Raum wird es immer den Rückzug wählen oder aber es ignoriert ihre Anwesenheit!

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6 Kommentare zu „Schlangensafari – Auf der Suche nach der Schlingnatter

    1. Dankeschön! Ja, Schlangen sind nicht jedermanns/-fraus Sache 🙂 Es lohnt sich aber die Tiere bei Gelegenheit einfach mal zu beobachten – man merkt schnell, dass es eigentlich nichts zu befürchten gibt. In Schweden kann man Kreuzottern (sogar bis über den Nordpolarkreis!) und Ringelnattern beobachten. Im Süden sind auch Schlingnattern zu finden. Liebe Grüße nach Schweden 🙂
      Patrick

      Gefällt 1 Person

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