Einführung in die Unterwasserfotografie – Teil I: Equipment

Unterwasserfotografie ist für mich eines der spannendsten Teilgebiete der Fotografie. In Sachen Equipment, Theorie und Praxis gibt es jedoch einiges zu beachten.
Mit diesem Artikel möchte ich eine 3-teilige Serie von Beiträgen starten, um Interessierten eine kleine Einführung in diese spannende Thematik zu geben.
Beginnen werde ich in Teil I mit einigen Informationen zu dem benötigten Equipment wie Unterwassergehäusen und Unterwasserblitzen.
Vorneweg: Unterwasserfotografie kann ein aüßerst kostspieliges Unterfangen sein. Und dies ist nicht nur durch das ohnehin teure Equipment begründet. Auch eventuelle Tauchgänge mit Leihequipment und Guide müssen ja u.U. bezahlt werden.
Vor der Anschaffung einer Unterwasserkamera sollte man sich ersteinmal fragen, wie professionell man die Unterwasserfotografie überhaupt betreiben möchte. Will man im Strandurlaub einfach ein paar nette Schnappschüsse während des Schnorchelns machen oder ist man passionierter Taucher und Fotograf mit einem gewissen Anspruch an Motive und Bildqualität?
Will ich all die Pracht in einem Korallenriff anprechend wiedergeben oder sollen es einfach ein paar Fotos von den eigenen Kindern beim Planschen im Swimmingpool sein?
Auf dem Markt sind mittlerweile nämlich für jeden Anspruch entsprechende Angebote erhältlich – und diese unterscheiden sich preislich und qualitativ erheblich!

Analoge und wasserfeste Einwegkameras

Fangen wir bei der Ausstattung für den Gelegenheitsschnorchler und -fotografen an.
Für 15-30 Euro kriegt dieser beim örtlichen Drogeriemarkt wasserfeste, analoge Einwegkameras. In der Regel sind diese bis zu einer Tiefe von 3-10 m wasserdicht – für ein paar Erinnerungsfotos beim Schwimmen oder Schnorcheln im Meer oder Badesee wohl mehr als ausreichend. Höchstleistung in Sachen Bildqualität darf man hier aber natürlich nicht erwarten! Die Bildgestaltung wird sich als relativ schwer gestalten, da keine digitale Anzeige des Motivs mit Live View vorhanden ist.  Ein weiterer Nachteil ist, dass man diese Kameras eben nur einmal benutzen kann – soll heißen: Ist der Film voll (nach 20-30 Fotos), wird dieser zusammen mit der Kamera zur Entwicklung abgegeben.

Wasserfeste Digitalkameras

Will man nun doch vielleicht mehr Fotos schießen und die Kamera auch beim nächsten Urlaub benutzen, so empfiehlt sich evtl. schon die Anschaffung einer wasserfesten Digitalkamera!
Kurz vor meinem letztjährigen Aufenthalt am Roten Meer habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, die dortige Unterwasserwelt fotografisch festzuhalten – und das vergleichsweise kostengünstig, da ich damals gerade erst mit der Fotografie anfing und Unterwasserfotografie absolutes Neuland für mich war.
In den gängigen Elektrofachmärkten habe ich mir dann eine Übersicht verschafft. Für knapp über 100 € bieten namhafte Anbieter wie Panasonic oder Sony Digitalkameras (sog. „Outdoor Kameras“) an, die laut Beschreibung teilweise bis zu 10 m Tiefe wasserfest sein sollen.
Ein erster Vorteil zu den Einwegkameras ist natürlich sofort klar: Solange das Gerät nicht beschädigt wird, kann ich es immer wieder benutzen. Dadurch hat sich der Preis im Vergleich zu den analogen Kameras auch recht schnell amortisiert. Ein weiterer Vorteil ist in meinen Augen die bessere Bildqualität. I.d.R. besitzen die digitalen Outdoor Kameras einen kleinen Blitz, der nahe Motive ein wenig aufhellen kann (und je nach Tiefe etwas Farbe zurück ins Bild bringt – dazu mehr in Teil II). Die Bildkomposition kann man durch den vorhandenen Monitor mit Live View deutlich besser kontrollieren und eine digitale Nachbearbeitung ermöglicht es, das Bild weiter zu optimieren. So können während eines Tauchgangs durchaus ansprechende Ergebnisse erzielt werden. Die folgenden Bilder habe ich während eines Tauchgangs im Roten Meer bis in maximal 8 m Tiefe sowie beim Schnorcheln in der Ostsee mit einer solchen Outdoor Kamera (Sony DSC-TF1) gemacht – ausgelegt war diese Kamera laut Hersteller bis zu einer Wassertiefe von 10 m, was ich dann aber doch nicht ausprobieren wollte.


Spektakuläre Bildergebnisse sollte man natürlich auch bei dieser Lösung nicht erwarten, als ansehnliche Erinnerungsfotos, die einen Eindruck vom Unterwasserleben vermitteln, reichen sie aber allemal!

Digitale Kompaktkamera mit Unterwassergehäuse

Der nächste Schritt nach oben in Sachen Anschaffungspreis (aber auch in Sachen Möglichkeiten und Bildqualität) ist die Kombination aus einer Kompaktkamera mit passendem Unterwassergehäuse. Für viele Unterwasserfotografen, die sich eine Spiegelreflexkamera mitsamt eines Gehäuses nicht leisten können oder wollen, ist dies ein guter Kompromiss zwischen Erschwinglichkeit und Bildqualität.
Namhafte Kamerahersteller (aber auch Fremdanbieter wie Ikelite, Recsea oder Nauticam) bieten für viele Kompaktkameras die passenden Unterwassergehäuse an. Diese gewährleisten i.d.R die volle Bedienbarkeit der Kamera unter Wasser. Gegenüber den oben genannten Möglichkeiten bieten die Gehäuse deutliche Vorteile:

Es gibt

  • die Möglichkeit, externe Blitze, Lampen und Handgriffe anzuschließen
  • die Möglichkeit, Weitwinkel oder Makroadapter anzubringen
  • die Möglichkeit, Rot- oder Magentafilter anzubringen
  • die Möglichkeit, größere Wassertiefen zu erreichen (30-60 m sind die Regel)

Diese Vorteile haben aber natürlich ihren Preis. Gehäuse für Kompaktkameras beginnen preislich (bei älteren Modellen) ab 150-200 €. Ein Blick auf die Gebrauchtmärkte im Internet kann äußerst lohnenswert sein!
Für die edleren oder neuen Kompakten können die Gehäuse dann aber auch deutlich mehr kosten (~350-800 €).

Für meine Kombination aus der Sony HX50 und dem Ikelite Unterwassergehäuse habe ich (neu) ca. 620 € bezahlt. Einen Erfahrungsbericht dazu finden Sie hier.

Die Gehäuse sind normalerweise aus Aluminium oder Polycarbonat gefertigt. Sie können, wenn nötig, mit kleinen Gewichten unter Wasser austariert werden. Die Dichtung erfolgt über sogenannte O-Ringe. Diese findet man an den Stellen, an denen das Gehäuse geöffnet werden kann (Rückseite, Port). Diese Gummiringe müssen penibel gepflegt werden. Vor jedem Tauchgang sollte er herausgenommen und auf Schmutz wie z.B. kleine Sandpartikel kontrolliert werden. Diese werden dann entfernt und der O-Ring mit einer kleinen Menge Pflegefett zwischen den Fingern eingeschmiert. Dabei muss beachtet werden, den Gummiring nicht stark zu dehnen, da sonst feinste Risse entstehen können, die die Dichtheit beeinflussen – dann sind u.U. schnell mal mehrere 100 € abgesoffen!
Nach dem Tauchgang sollte das geschlossene Gehäuse für eine halbe Stunde in sauberes Süßwasser gelegt werden um Salz- oder Chlorrückstände (nach Benutzung in Pools) loszuwerden, die sonst ebenfalls die Dichtheit des Gehäuses beeinflussen können!

Die folgenden Fotos zeigen ein solches Komapktkameragehäuse:

Fotografisch bietet die Kombination aus Kompaktkamera und Gehäuse, wie ja bereits erwähnt, z.T. bereits eine sehr ordentliche Qualität bei den Bildern (je nach Kamera natürlich und einen guten Fotografen vorausgesetzt). Durch die Erweiterbarkeit ist die Kombi den ersten beiden „Unterwasserkamera-Lösungen“ in jedem Falle überlegen. Unter den Erweiterungen empfehle ich persönlich zuallererst einen externen Blitz. Die einfachste und (relativ) kostengünstigste Variante (~ 330 €) ist ein simpler Slaveblitz, der durch den kamerainternen Blitz ausgelöst wird. Dieser Blitz hat v.a. 2 Vorteile:

  • Deutlich mehr Power als der interne Blitz – es wird deutlich mehr vom Motiv ausgeleuchtet
  • Der Winkel des Blitzes zum Motiv kann sehr gut variiert werden – er liegt nicht mehr auf der optischen Achse der   Kamera und Schwebeteilchen werden so nicht frontal angeleuchtet (= weniger „Schnee“ im Bild)

Auch zu einem solchen Slaveblitz finden sie weitere Informationen in meinem Erfahrungsbericht.

Hier noch einige Fotos, die mit einer Kombination aus Kompaktkamera und Unterwassergehäuse gemacht worden, damit Sie sich einen Eindruck von der Bildqualität machen können:

Im Makrobereich müssen sich Kompaktkameras  zumindest nicht vor Spiegelreflexkameras verstecken. Wer beim Tauchen vorwiegend Makro fotografieren möchte, ist  mit einer Kompakten mitsamt Gehäuse (und optionaler Makrolinse) eventuell schon bestens bedient – ich habe bereits beeindruckende Bilder gesehen, die auf diese Weise gemacht wurden!

Die Oberliga: Spiegelreflexkameras im Unterwassergehäuse

Wer das absolute Maximum bei Bildqualität, Dynamikumfang und fotografischen Möglichkeiten unter Wasser rausholen möchte, der muss tief in die Tasche greifen – eine Gehäuse für eine DSLR oder aber für eine DSLM (also eine spiegellose Systemkamera) kostet in aller Regel weit über 1000€! Mit dem Gehäuse alleine ist es aber nicht getan. Fehlen noch die passenden Ports (also der Teil des Gehäuses, in dem das Objektiv steckt) zu den einzelnen Objektiven – ein Makroobjektiv benötigt einen anderen Port als das Super-Weitwinkelobjektiv. Auch jeder dieser Ports schlägt mit mehreren hundert Euro zu Buche!
Wenn nun noch Geld übrig ist, sollte man auch bei einer Kombi aus DSLR und Unterwassergehäuse auf mindestens einen externen Blitz setzen. Bei aller Qualität einer Spiegelreflex – diese bringt überhaupt nichts, wenn beim Fotografieren das nötige Licht fehlt und die Bilder in größerer Tiefe alle einfach einen hässlichen Blaustich haben (auch dazu mehr in Teil II).
Auch hier beträgt der Kostenpunkt mehrere hundert Euro!
Sie sehen – wer die Unterwasserfotografie auf ein professionelles Level heben möchte, der braucht zuallererst finanzielle Mittel.

Natürlich reicht ein dicker Geldbeutel alleine nicht für gute Aufnahmen aus!Der entscheidende Punkt ist natürlich immer noch die Person hinter der Kamera! Um dem Ziel, ein guter Unterwasserfotograf zu werden, ein Stückchen näher zu kommen, werde ich mich im II. Teil der Artikelserie zur Unterwasserfotografie ein wenig mit der Theorie zur Thematik auseinandersetzen – ich hoffe, Sie auch bei diesem Artikel begrüßen zu dürfen!

Wenn Sie inhaltliche Fragen oder Kritikpunkte haben, so schreiben Sie diese doch in die unten stehende Kommentarfunktion! Ich bemühe mich, darauf einzugehen!


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9 Kommentare zu „Einführung in die Unterwasserfotografie – Teil I: Equipment

  1. Die Unterwasserfotografie begeistert mich auch sehr, da ich aber leider keine exzellente, sondern nur eine Gelegenheitstaucherin, ist mir das Handling irgendwie zu viel. Daher habe ich es aufgegeben bzw.gar nicht erst richtig angefangen. Ich fotografiere lieber in sicherer Umgebung ÜBER Wasser und erfreue mich an Bildern wie deinen 🙂
    Gruß Angela

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    1. Hallo Angela!
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!
      Ja, das mit dem Tauchen und gleichzeitig fotografieren ist so eine Sache – das bedarf etwas an Übung. Bei meinem letztjährigen Praktikum in Ägypten musste ich regelmäßig 30 cm über den Korallen kopfüber (um die Korallen nicht zu beschädigen) das Riff abfilmen – dadurch habe ich ordentlich tarieren gelernt, was mir jetzt ungemein zu Gute kommt bei der UW-Fotografie. Allerdings geht auch bei mir noch viel schief und ich habe noch viel zu lernen! Und man hat ja leider nicht jeden Tag Zeit tauchen zu gehen 😉

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    1. Hallo Mo,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Die A6000 wäre Unterwasser auch was für mich – denke, da wirst du Freude dran haben! Ich würde meine Unterwasserkamera auch gerne upgraden aber das liebe Geld….
      Ich versuche ersteinmal bei meinem kommenden Tauchurlaub in Dahab alles aus meiner HX50 rauszuholen!
      Dir erstmal alles Gute!
      Patrick

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  2. Tolle Bilder und sehr hilfreicher Bericht! Vielleicht wage ich mich auch irgendwann mal an die spannende Unterwasserfotografie, auch, da ich mich sehr für Aquaristik und das Leben unter Wasser interessiere und dem ersten Tauchgang in meinem Leben definitiv noch mindestens ein zweiter folgen soll. 🙂
    Ich stöbere dann mal ein bisschen weiter auf diesem tollen Blog.
    Liebe Grüße
    Lea von dashobbyaquaristik

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      1. Ich hoffe sehr, dass der zweite Tauchgang nicht der letzte bleibt, immerhin gibt es unter Wasser noch so viel neues, schönes und spannendes zu entdecken!
        Also ich würde mich auch jetzt noch sehr über die Fortsetzung der Reihe freuen! 🙂
        Liebe Grüße
        Lea

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