Erfahrungsbericht Sony HX50 + Ikelite Unterwassergehäuse + Ikelite AF35 Blitz

Spätestens bei meinem letztjährigen Praktikum am Roten Meer in Dahab/Ägypten wurde mein Interesse für Unterwasserfotografie geweckt. Schnell war eine kleine Kamera zum Schnorcheln nicht mehr genug (damals die Sony DSC-TF1, wasserdicht bis 10 Meter).

Von einem Freund kannte ich für Unterwasseraufnahmen die Kombi aus der Panasonic Lumix TZ7 plus dazugehöriges Unterwassergehäuse. Mit dieser hat er äußerst ansprechende Ergebnisse erzielt, die deutlich über klassische „Point and Shoot“ Fotos hinaus gehen. In Ägypten habe ich regelmäßig Kameras in Ikelite Gehäusen benutzt. Diese habe ich als sehr zuverlässig erfahren.

Nun galt es sich zu entscheiden, welche Kombi meinen Ansprüchen genügen würde. Klar war, dass es eine Kompaktkamera wird – DSLR oder spiegellose Systemkamera + Gehäuse + Weitwinkelobjektiv + Port machen einen schnell mal um 3000€ leichter. Das würde für mich auf absehbare Zeit (leider) nicht erschwinglich sein!
Schnell entschied ich mich für das Ikelite System, da mir die Erweiterungsmöglichkeiten am Gehäuse vielfältiger erschienen.
Jetzt war noch die Frage, welche Kamera es sein sollte. Aus Tests wusste ich, dass die Bildqualität der Sony HX50 für eine Kompakte wirklich gut ist und auch die Haptik sagte mir zu. Leider war ich in Bezug auf Unterwasserfotografie noch zu unerfahren und bin mit der Entscheidung heute nicht 100%ig zufrieden.
Vorneweg: Es kommen durchaus ansprechende Unterwasserfotos mit der HX50 zustande ABER ich würde mich nach meinen bisherigen Erfahrungen in Zukunft gegen die HX50 als Unterwasserkamera entscheiden. Das hat v.a. 2 Gründe:

  1. Die HX50 ist eine Superzoomkamera – dies hat einen recht langen Port am Gehäuse zur Folge, damit das Objektiv (theoretisch) voll ausfahren kann (was unter Wasser natürlich keinen Sinn macht!). Die Konsequenz aus dem langen Port: In der weitwinkligsten Einstellung der Kamera (4mm/24mm Kleinbildäquivalent) ist eine deutliche Vignettierung bedingt durch den Port zu erkennen. Die muss durch ein leichtes auszoomen umgangen werden (dies ist auch in der Anleitung des Gehäuses vermerkt). Dadurch fehlen ein paar mm Brennweite im Weitwinkel, die aber u.U. (und gerade Unterwasser) von Bedeutung sein können.

  2. Fehlende Möglichkeit, im RAW Format zu fotografieren. Als ich dieses Jahr mit der Fotografie angefangen habe, war RAW noch gar kein Thema für mich. Das änderte sich zwar sehr schnell und ist jetzt absolutes Muss für mich aber bei der HX50 muss ich nun halt ohne auskommen, was mich in der Nachbearbeitung natürlich einschränkt! Da hätte ich früher drüber nachdenken sollen…

Im Makrobereich hingegen kann man zusammen mit einem externen Blitz wirklich gute Ergebnisse erzielen. Das (leichte!) auszoomen auf ca. 12mm/72mm KB sowie das gleichzeitige Fotografieren an der Naheinstellgrenze ermöglicht mir einen ordentlichen Abbildungsmaßstab – kleine Felsengarnelen von ca. 3cm Größe bekomme ich fast formatfüllend aufs Bild.
Der externe Ikelite AF35 Blitz arbeitet hier einer Beschattung durch den Port sehr wirksam entgegen und holt die Farben zurück ins Bild!
Den Blitz konnte ich bisher bei 3 Tauchgängen im Atlantik und der Ostsee ausprobieren.
Er funktioniert kabellos als Slaveblitz. Ausgelöst wird er durch den kamerainternen Blitz, der durch einen Deflektor (liegt dem Gehäuse bei) direkt auf den Sensor des Ikelite AF35 geleitet wird. Es besteht die Möglichkeit, die Blitzstärke komplett manuell einzustellen oder aber im Automatikmodus zu fotografieren. Ich benutze den Automodus, der tadellos funktioniert!
Der Blitz kann über einen flexiblen Arm auf das Motiv eingestellt werden. Dem gut austarierten Taucher sollte das keine Probleme bereiten!
Der kamerainterne Blitz ist viel zu schwach auf der Brust, um außerhalb des Makrobereichs ordentlich auszuleuchten und die Farbe zurück zu holen. Zudem beleuchtet er Schwebepartikel im Wasser frontal, was „Schnee“ im Bild zur Folge haben kann.
Der AF35 mit seiner deutlich größeren Power und dem flexiblen Arm ermöglicht mir daher deutlich ansprechendere Fotos. Durch den Blitz war ich außerdem immer in der Lage mit ISO 100 zu fotografieren, was der Bildqualität natürlich sehr entgegen kommt.
Im übrigen kann dieser auch an fast sämtliche Kompaktkameragehäuse von anderen Herstellern angebracht werden (Adapterplatten liegen bei). Für den Taucher mit Kompaktkamera, der mehr aus Unterwasseraufnahmen heraus holen möchte, kann ich den relativ günstigen AF35 also ganz klar empfehlen!
Das Gehäuse hat mir insgesamt wenig Grund zur Klage gegeben. Zusammen mit dem Blitz ist es leicht positiv austariert (zumindest im Roten Meer) aber dennoch gut zu halten. Die Handschlaufe verhindert, dass die Kamera versehentlich in die Tiefe der Ozeane verschwindet. Lediglich die Knöpfe können, gerade mit Handschuhen, etwas schwerer zu bedienen sein. Besonders das notwendige, leichte herauszoomen am Regler kann komplizierter sein. Hier empfehle ich, den Standby Modus der Kamera zu deaktivieren, damit dies nicht mehrmals wiederholt werden muss (im Standby fährt das Objektiv ein!).

Probleme mit der Dichtigkeit hatte ich bisher keine. Das Gehäuse ist auf Tauchtiefen bis zu 60 m ausgelegt und wirkt wertig verarbeitet. Bei sachgemäßer Handhabung und gelegentlicher Erneuerung des O-Ringes sollte man lange Freude daran haben. Ich persönlich habe das Gehäuse bis auf gute 30 m Wassertiefe benutzt.
Beispielbilder finden Sie in der Galerie.

Dieser Bericht spiegelt nur meine bisherigen Erfahrungen wieder und ist daher knapp gehalten. Ich werde in Zukunft sicherlich noch das eine oder andere Detail diesem Artikel hinzufügen, sobald ich das Equipment intensiver nutzen konnte.
Wenn Sie Fragen haben, schicken sie mir doch einfach eine Nachricht – vielleicht kann ich sie ja beantworten?!

Hier noch ein kurzes Testvideo, welches von mir während meines Gomera Urlaubes mit der Sony HX50 im Ikelite Gehäuse gedreht wurde. Es ist (bis auf die Tonspur) unbearbeitet und gibt einen kleinen Eindruck von den Fähigkeiten der Kombi:

Update vom 1.6.2015: Während meines Aufenthalts in Dahab hat mich die HX50 im Ikelitegehäuse bei einigen Tauchgängen im Roten Meer begleitet. Zusammen mit dem AF35 Blitz bin ich von den Bildergebnissen recht angetan. Im Stich gelassen hat mich das Equipment hier bisher nicht – alles ist dicht und funktioniert. Die Bedienung des Zooms ist in meinen Augen etwas komplizierter, wird von mir aber nur in seltenen Fällen für Makroaufnahmen benötigt. Das Gehäuse übt einen recht starken Druck auf die Kamera aus, wenn es geschlossen ist. Das hatte bei mir zur Folge, dass das Wählrad nun zeitweise etwas empfindlich auf Betätigungen reagiert. Die oben genannten Kritikpunkte bestehen für mich weiterhin und ich werde sicherlich in Zukunft die Kamera für Unterwassereinsätze wechseln. Hier kommt für mich die Sony RX100 in Betracht – kompakte Bauweise, relativ großer Bildsensor mit super Bildqualität, die Möglichkeit in RAW zu fotografieren und den AF35 Blitz kann ich ebenfalls weiter benutzen (von mir eine klare Empfehlung für das Teil!). Die Batterien für den Blitz musste ich bisher nicht wechseln (ca. 10 Tauchgänge mit Kamera/ca. 140 Aufnahmen). Weitere Bildergebnisse der Kombination aus HX50 im Ikelitegehäuse + AF35 sind in meinen Dahab-Impressionen und dem Reisebericht zu Nabq und Gabr el Bint zu finden. Die Bilder wurden nur geringfügig optimiert (Helligkeit, Kontrast und Klarheit).

Update vom 25.11.2015:

Ein weiteres Video vom Tauchen im Roten Meer, welches ebenfalls mit der Sony HX50 gemacht wurde, ist hier zu finden.


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5 Kommentare zu „Erfahrungsbericht Sony HX50 + Ikelite Unterwassergehäuse + Ikelite AF35 Blitz

  1. Hallo,

    Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Ich habe eine Frage zur hx50:
    Wie ist es möglich den Stand-by Modus auszuschalten?

    Liebe Grüße Arnulf

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    1. Hallo Arnulf,
      ich habe die Kamera mittlerweile verkauft und daher nicht mehr zur Hand. Wenn ich mich aber recht erinnere, gibt es im Menü irgendwo Energiespareinstellungen und dort kann man den Standyby Modus ausschalten.

      Der Punkt im Menü nennt sich, glaube ich, Standby – dahinter lässt sich die Zeit einstellen, wann und ob die Kamera bei Nichtbenutzung auf Standby geht.
      Beste Grüße,
      Patrick

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